Israel vs. Hamas 2.0

Als ich im vergangenen Jahr des Wanderns so langsam müde wurde in der Jerusalemer Altstadt und sodann in einem arabischen Restaurant einkehrte, fand ich draußen keinen Platz mehr. Also setzte ich mich ins Innere der Gaststätte. Dort war ich der einzige Gast. An der Wand hing ein Flachbild-TV, auf dem eine Art arabischer History Channel eingeschaltet war. Eine Dokumentation lief. Es drehte sich alles um den Zweiten Weltkrieg. Trotz der fremden Sprache waren Panzer und auch die Figuren natürlich unverkennbar. Ein älterer Araber war für die Bedienung im Innenbereich des Restaurants zuständig. Als er mir das bestellte Getränk reichte, bemerkte er, dass mein Blick auf dem Fernseher haftete. In dem Moment tauchte Adolf Hitler in der Dokumentation auf und schmetterte eine seiner Reden durch das Restaurant. Ich bemerkte, dass sich die Miene des palästinensischen Kellners aufhellte. Schließlich grinste er mich feist an und meinte zu mir in englisch: „Ah yes, Hitler. Good man! Hitler, really good man!“ Natürlich wusste er nicht, dass ich Deutscher bin. Ich hätte Amerikaner, Holländer, Ire, Brite, Franzose, vielleicht sogar Pole und natürlich auch Deutscher sein können. Ich hätte Israeli sein können. Aber darum geht’s ja nicht. Und das hat den Wirt auch nicht interessiert. Es geht darum, dass für diesen Mann Hitler kein Monster zu sein scheint.

Warum es so war, das kann ich nur mutmaßen. Es ist kein Geheimnis, dass die Nazis gerade unter der palästinensischen Bevölkerung in Israel und den Gebieten der palästinensischen Autonomiebehörde noch immer zahlreiche Fans haben. Haben sie doch die Juden nach Auschwitz geschickt. Ein Völkermord, der offenkundig bei manchem Araber nicht als das gesehen wird. Mit diesem persönlichen Erlebnis will ich versuchen klarzumachen, wie die Befindlichkeiten im Heiligen Land aussehen. Ist jeder Palästinenser ein Hitlerfan und Judenhasser? Natürlich nicht. Aber ich denke, dass es viel zu viele sind. Nicht ohne Grund wählte die palästinensische Bevölkerung die radikalislamische Terrororganisation Hamas im Gazastreifen an die Regierung. Kein Mensch hat sie dazu gezwungen, sie hatten die freie Wahl. Und die Hamas hat nie einen Hehl daraus gemacht, wie sie zum Staat Israel steht uns was sie vorhat. Auch nicht vor der Wahl. Ein Blick in die Charta der Hamas hilft da weiter. Hier ist die Rede von der Pflicht eines jeden Muslims zur Tötung von Juden (Artikel 7, Gründungscharta der Hamas). Noch nie gehört? Kein Wunder, im Fernsehen wird das genauso gerne verschwiegen wie es im Blätterwald nicht geschrieben wird.

Hier zunächst mal ein kleiner Überblick, was es mit dem berühmt-berüchtigten Gazastreifen so auf sich hat. Bis 1967 gehörte dieser zum Staat Ägypten. Israel besetzte den Strip nach dem Sechs-Tage-Krieg und hielt ihn jahrzehntelang fest. Israel genehmigte seinerzeit den Bau jüdischer Siedlungen. 2005 räumte die israelische Armee den Gazastreifen und alle jüdischen Siedler mussten ebenfalls gehen. Gaza ist also seit sieben Jahren nicht mehr besetzt. Es verwaltet sich selbst, es wählt die Hamas an die Macht und es feuerte 12.000 Raketen auf den Süden Israels. Die eher gemäßigte Fatah wurde in Gaza von den Hamas-Leuten brutal ausgeschaltet. Die Hamas hat recht zielstrebig ein Terrorregime etabliert, das seinesgleichen sucht. Ende 2008 riss Israel erstmals wieder der Geduldsfaden. Nachdem sich die Grenzstadt Sderot permanentem Raketenfeuer aus dem Gazastreifen ausgesetzt sah, marschierte Israel nach intensiver Luftvorbereitung ein. Ziel der israelischen Streitkräfte war es, die Möglichkeit des militärischen Agierens der Hamas zu minimieren. Das gelang Israel, obwohl die Hamas sofort nach Einstellung der Feindseligkeiten und dem Rückzug der israelischen Truppen erneut aufrüstete. Knapp vier Jahre herrschte relative Ruhe.

Wie ist die Lage heute? Wieder feuert die Hamas seit Wochen mit Raketen verschiedener Kaliber auf Israel. Dass Städte wie Aschkelon, Sderot und auch Beersheba getroffen werden, das ist fast schon Normalität. Dass schwere Raketen iranischer Bauart jetzt bis nach Tel Aviv und sogar Jerusalem greifen und dort für Angst und Schrecken sorgen, das ist eine neue Dimension dieses Konflikts. Kurios: die Hamas befindet sich seit Wochen de facto im Krieg mit Israel. Israel jedoch versorgt den Gazastreifen weiterhin mit Nahrungsmitteln und anderen Gütern und liefert sogar Strom. In Aschkelon steht ein Kraftwerk, das für Strom im Gazastreifen sorgt. Ebenfalls wird die Wasserversorgung von Israel aus sichergestellt. Auch jetzt noch. Überrascht? Auch das ist kein Wunder, denn es berichtet kaum jemand derart über diesen diametralen Konflikt. Die Hamas führt diesen Krieg ohne Rücksicht auf die eigene Bevölkerung, Wie schon 2008 werden Raketenabschussrampen auf Schulhöfen und neben Moscheen aufgestellt und von dort aus auch abgefeuert. Der perfide Hintergedanke: Die Israelis werden schon nicht zurückschlagen, solange die Gefahr besteht, dass dabei auch Schulkinder oder Moscheebesucher zu Schaden kommen. Mit dieser Einschätzung liegt die Hamas nicht falsch, ist es doch ein Ziel der israelischen Armee, zivile Opfer zu vermeiden. Andersherum versucht die Hamas so viele Israelis zu töten wie nur möglich. Ganz gleich, ob es sich bei den Opfern um Zivilisten oder Soldaten handelt. Ein Großteil der Raketen wird auf gut Glück aus dem Gazastreifen blind nach Israel hineingeschossen. Es gibt keine Zielsuchung und somit glücklicherweise viele Fehlschüsse. Auch das Abwehrsystem Iron Dome hat dafür gesorgt, dass die Zahl der israelischen Verluste bisher verhältnismäßig gering blieb. Kommt es bei israelischen Luftangriffen doch zu Todesopfern in der palästinensischen Bevölkerung, werden diese propagandistisch ausgeschlachtet, dass einem speiübel wird.

Zusammenfassung: Eine islamitische Terrororganisation beschießt seit Wochen das Staatsgebiet eines demokratischen Landes mit Raketen. Seit knapp einer Woche setzt sich dieses demokratische Land zur Wehr, um seine Einwohner vor dem Raketenbeschuss zu schützen. So kurz, so gut. Was macht unsere Presse aus dem Konflikt? Es scheint ein Reflex zu sein, der im deutschen Blätterwald vorherrscht, sobald von israelischer Seite auch nur ein Knallfrosch geworfen wird. Dass die Hamas Raketen auf Israel schießt, das war vor allem dem Spiegel kaum eine Meldung wert. Erst als Israel zurückschlug, lief die Maschinerie bei Spiegel-Online an und fabriziert seitdem einen Unfug nach dem anderen. Da schwadroniert Ulrike Putz von „Natanjahus brandgefährlicher Strategie“ unter Ausblendung der Ursache dieser Auseinandersetzung. Es ginge ja nur um Wahlkampf. Kurz darauf gab sie Premierminister Benjamin Netanjahu auch noch wohlfeile Tipps, wie er sich in diesem Kampf am besten zu verhalten habe. Henryk M. Broder hat dazu ein paar wunderbare Worte auf der Achse des Guten gefunden. Ebenfalls aus dem Hause Spiegel entblödet sich Jakob Augstein nicht mit diesem realitätsverzerrenden Machwerk: „Gesetz der Rache“. Auch hier wird haarscharf an der Grenze zum Antisemitismus entlang gequatscht, von Wahlkampf in den USA und in Israel gelabert und stets ausgeblendet, mit wem es die Israelis im Gazastreifen tatsächlich zu tun haben. Augstein stellt hier die ultraorthodoxen Juden mit den radikalen Islamisten auf eine Stufe und denkt, dass er das richtige tun würde. Überhaupt stellen deutsche Journalisten den demokratischen Staat Israel und die radikalislamische Hamas gerne auf eine Stufe. Da ist es ja fast schon eine Schmeichelei, dass hier „nur“ die Ultraorthodoxen mit den Islamisten verglichen werden. Sollte so etwas mal gedruckt werden, ist es das Papier auf dem Scheißhaus nicht wert. Das Gebrauchte versteht sich.

Nicht nur Augstein, Putz und Konsorten sorgen auf diese Weise für eine systematische Meinungsmache bei denjenigen Deutschen, die solche Medien überhaupt noch konsumieren und diesen ganzen Unsinn für bare Münze nehmen. Auch vermeintliche Nahost-Experten wie Michael Lüders werden Abend für Abend in die Nachrichtenstudios der Nation gezerrt und erreichen mit ihren teilweise kruden Ansichten ein Millionenpublikum. Es ist im Grunde genommen immer die gleiche Quintessenz, die aus diesem nahezu unerträglichen Geschwurbel rauskommt: Israel ist grundsätzlich immer schuld, da es sich im Wahlkampf befindet und per se schlecht ist. Israel ist ja auch militärisch viel zu stark und die Hamas so schwach. Das ist unfair. Auch Netanjahu ist per se ein böser Mann, da er ein konservativer Politiker ist und Krieg will, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Die Palästinenser tauchen in solchen Denkregionen bestenfalls als Statisten auf und sind selbstverständlich die arglosen Opfer. Vom „größten Gefängnis der Welt“ (Gazastreifen) ist nicht selten die Rede. Israel ist immer an allem schuld und trägt in den Augen vieler deutscher Journalisten die moralische Verantwortung für alles, was da unten vor sich geht. Die Palästinenser sind die armen Leidtragenden, die nichts für ihre Situation können. Die sind halt so. Keine Silbe zur Hamas und ihren Zielen. Manchmal sogar keine Zeile über den seit Wochen andauernden Raketenbeschuss. Warum bei weiten Kreisen der deutschen Journaille die Terrororganisation Hamas so hoch im Kurs steht und der demokratische Staat Israel so dermaßen verhasst ist ist ein Umstand, den ich noch zu ergründen suche. Weil vom Standpunkt des gesunden Menschenverstands her kann es da einfach nicht mit rechten Dingen zugehen. Mir persönlich wird schlecht, wenn ich auf Youtube Videos sehe, wo in Tel Aviv die Sirenen erklingen. Wo die Leute in Luftschutzbunker hetzen. Wo kleine Kinder weinen und man die Einschläge der Hamas-Flugkörper vor den Stränden Tel Avivs sieht. Ich könnte kotzen, wenn ich die Bilder aus Kirjat Malachi sehe, wo eine Hamas-Rakete drei Menschen getötet hat. Hat dieses kleine tapfere Israel nicht unsere Solidarität verdient? Ich für meinen Teil wünsche Israel alles erdenklich Gute bei all seinen derzeitigen Aktionen und denen, die da in naher Zukunft noch kommen mögen. Am Yisrael Chai! Ich freue mich schon jetzt auf meinen nächsten Besuch!
Zur Verdeutlichung hier noch einmal der Link zu einer sehr guten Doku, die den Geist der Hamas deutlich darlegt:

Wie schon an anderer Stelle von mir geschrieben, rate ich vom Konsum bestimmter Medien zum Thema Nahost im Einzelnen und Israel im Speziellen ab. Hier ein paar Links mit Alternativvorschlägen:

www.welt.de

http://spiritofentebbe.wordpress.com/

http://rungholt.wordpress.com/

http://www.jpost.com/

www.achgut.com

http://klarelichtung.wordpress.com/

http://www.debka.com

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