Israelkongress 2013 in Berlin

Der Israelkongress fand zum dritten Mal statt, erstmals in Berlin. Veranstaaltungsort war das bcc am Alexanderplatz

Der Israelkongress fand zum dritten Mal statt, erstmals in Berlin. Veranstaltungsort war das bcc am Alexanderplatz

In Berlin kann ich ja eigentlich nicht oft genug sein. Ich liebe diese Stadt. Sie ist für mich zweite Heimat. Bin ja auch zu 50 Prozent Berliner. Und das schöne an Berlin ist, dass ich niemals in unpersönlichen Hotels zu nächtigen brauche. Für mich steht bei lieben Freunden immer eine Tür offen, was ich sehr zu schätzen weiss. Die Nähe meines “Wohnortes” im Prenzlauer Berg zum Zentrum Berlins ist ein weiterer unschlagbarer Standortvorteil. Zu Fuß braucht man von der Prenzlauer Allee bis zum Alex ungefähr eine Viertelstunde. Dementsprechend unkompliziert war also auch meine Anreise zum Berliner Congresscenter (bcc) am Alexanderplatz, wo im November 2013 der dritte Israelkongress stattfand. Das bcc und das “Haus des Lehrers” ist mir als Veranstaltungsort keineswegs unbekannt. Vor einigen Jahren war ich dort beruflich bei einer Veranstaltung der Deutschen Energieagentur (dena).

Vor zwei Jahren fand der Israelkongress noch in Frankfurt statt. Damals stieg ich für eine Nacht im Maritim an der Messe ab, damit ich mal wieder was für die Steuer habe. Da war ich nämlich noch freiberuflich unterwegs. Mit Berlin haben die Veranstalter für einen derartigen Kongress das politische und auch kulturelle Zentrum Deutschlands gewählt. Aus jüdischer Sicht zudem auch ein historischer Ort, denn der Holocaust wurde in Berlin geplant. Vom bcc ist es nicht weit zur Holocaust-Gedenkstätte an der amerikanischen Botschaft. Und auch solch belastete Orte wie das Gelände des ehemaligen Reichssicherheitshauptamtes – wo heute die Ausstellung “Topographie des Terrors” zu sehen ist – kann man vom bcc problemlos fußläufig erreichen. Kaum ein Kongressbesucher, dem das an diesem Tag nicht bewusst war. Seit einiger Zeit engagiere ich mich für den Jüdischen Nationalfonds-KKL e.V., für den ich an diesem Tag mit Presseakkreditierung im Gepäck auf dem Kongress unterwegs war. Was mir direkt auffiel, war die ungeheure Polizeipräsenz rund um das bcc. Während in Frankfurt vor zwei Jahren drei gelangweilte Streifenwagenbesatzungen vor dem Haupteingang aufpassten, marschierte in Berlin eine komplette Hundertschaft auf und sicherte das Gebäude und die angrenzenden Vorplätze.

Am Alexanderplatz formierte sich eine kleine Gegendemo, die sich gezielt gegen den JNF-KKL richtete

Am Alexanderplatz formierte sich eine kleine Gegendemo, die sich gezielt gegen den JNF-KKL richtete

Und das hat durchaus seine Berechtigung. Nicht ohne Grund wird beispielsweise die Sonnenallee in Neukölln als “Berlins Gazastreifen” bezeichnet. Dass zudem der Alexanderplatz räudig ist, ist ebenfalls kein Geheimnis. Als ich morgens dort aufschlug, formierte sich bereits auf der gegenüberliegenden Straßenseite am Alex eine kleine Gegendemonstration mit vielleicht 40 Teilnehmern. Ziel der aufgebrachten Palästina-Freunde war der JNF-KKL. Als ich anfing, diese illustre Versammlung zu fotografieren, kam eine Dame mittleren Alters auf mich zu und fing an auf mich einzureden. “Das ist Landraub im Negev”, “Ich war in der Westbank, ich habe das alles gesehen”, “Was machen Sie mit den Fotos, wozu brauchen Sie Fotos?”. So fängt der Tag gut an. Als ich merklich gereizt zurückfauchte, dass ich auf öffentlichen Plätzen fotografiere wie ich lustig bin, dass ich auch mehrmals in der Westbank war und ich mich nicht auf Diskussionen mit ihr einlassen würde, dackelte sie schließlich zu ihren Gesinnungsgenossen ab. Ich verstehe diese negative Energie nicht. Die Frau eiferte, in höchstem Maße erregt mit hassverzerrter Miene. Manchmal denke ich, dass das bei vielen dieser Empörten auch persönliche Dinge sind. Aber das würde jetzt hier zu weit führen.

Durch das Programm führte Moderator Cherno Jobatey, der sein Publikum gut zu unterhalten wusste

Durch das Programm führte Moderator Cherno Jobatey, der sein Publikum gut zu unterhalten wusste

Die Einlasskontrollen zum bcc erinnerten mich an die Ausreiseprozedur am Ben Gurion Flughafen in Tel Aviv. Ein schüchternes kleines und sehr blondes Mädchen im Kampfanzug der Berliner Bereitschaftspolizei eskortierte mich vom Haupteingang zum Pressezelt. Dabei lächelte sie verlegen. Unsere Polizei ist echt nicht mehr das, was sie mal war. Im Pressezelt wurde alles durchleuchtet und auf den Kopf gestellt. Kamera, Rucksack, Fototasche. Dann war ich drin. Das bcc ist in zwei Ebenen aufgeteilt. Unten befinden sich großzügige Ausstellungsflächen und der gastronomische Bereich. Oben kommt man in die eigentliche Kongresshalle. Der Israelkongress startete mit einiger Verspätung, da draußen noch Hunderte von Kongressbesuchern durch die Einlasskontrollen mussten. Zeit genug für mich, mir ein lauschiges Plätzchen unmittelbar vor der Bühne zu suchen. Moderator war übrigens Cherno Jobatey, dem ich eine Nähe zu Israel gar nicht so recht zugetraut hätte. Er hatte die Veranstaltung sehr gut im Griff und führte unterhaltsam durch das Programm. Wie bei derartigen Veranstaltungen üblich, beginnt der Tag mit einer Kaskade von Grußworten. Wowereit schickte seinen Innensenator und auch Israels Botschafter sprach. Videobotschaften schickten außerdem Schimon Peres und Israels Justizministerin Zipi Liwni. Efi Stenzler, World Chairman des JNF-KKL, sprach ebenfalls. Ihn sollte ich etwas später noch besser kennenlernen. Die mit Abstand emotionalste und bewegendste Ansprache aber hielt wieder mal Dr. Dieter Graumann. Wie schon in Frankfurt findet der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland stets die richtigen Worte. Die Standing Ovations hatte er sich redlich verdient. Ich hoffe, dass ich ihn irgendwann mal persönlich kennenlernen kann. DGB-Chef Michael Sommer wurde mit dem Arno-Lustiger-Preis ausgezeichnet.

Efi Stenzler ist World Chairman des JNF-KKL. Hier spricht er seine Grußworte

Efi Stenzler ist World Chairman des JNF-KKL. Hier spricht er seine Grußworte

Rund 3.000 Menschen kamen nach Berlin, um sich in den verschiedenen Labs zu informieren oder die zahlreich vertretenen Organisationen und Firmen an ihren Ständen zu besuchen. Nach etwa zwei Stunden hat der Blitz meiner Kamera seinen Geist aufgegeben. Ärgerlich, zumal die Lichtverhältnisse im bcc ohnehin eher schwierig sind. Gut gelaufen ist aber das Interview mit Efi Stenzler, das ich auf dem Stand des JNF-KKL geführt habe. Auch wenn mein Englisch ein wenig eingerostet ist, war Stenzler doch Profi genug, alle meine Fragen perfekt zu beantworten. Das gleiche tat auch Dr. Schaul Chorev, den ich glücklicherweise in Deutsch befragen dürfte. Stenzler suchte auch das Gespräch mit den Demonstranten auf der anderen Straßenseite. Großartig! Als sich die Labs am späten Nachmittag auflösten, begann die Tombola am JNF-Stand. Witzigerweise traf ich einen Tag zuvor auf dem Aktivistentreffen Bernd Krebs, seines Zeichens Fraktionsvorsitzender der CDU im Solinger Stadtrat und ehemaliger Bürgermeister der Klingenstadt. Während meiner Zeit bei der Rheinischen Post hatte ich öfters mit ihm zu tun und ich war immer ein Fan von ihm. Krebs ist gleichzeitig Vorsitzender des Freundeskreis Solingen / Ness Ziona e.V. und war in genau der Funktion auf dem Israelkongress. Er konnte sich an mich erinnern und wir unterhielten uns kurz. Er räumte auf der Tombola sogar noch einen Preis ab, war aber zu dem Zeitpunkt nicht mehr zugegen. Da muss man nach Berlin zu einem Kongress rund um Israel reisen, damit sich zwei Solinger über den Weg laufen. So kanns gehen!

Charmant und witzig moderierte Susan Sideropoulus die Tombola am Stand des JNF-KKL

Charmant und witzig moderierte Susan Sideropoulus die Tombola am Stand des JNF-KKL

Zur Tombola kam Susan Sideropoulos. Ich wusste nicht, wer das ist. Mehrfach klärte man mich darüber auf, dass sie ein Sternchen ist, das man als „GZSZ“-Zuschauer kennen würde. Ich habe diese Serie nie gesehen und war entsprechend unwissend. Aber sie war wirklich super und führte mit viel Charme und Witz durchs Programm. Vorher gab es sogar noch eine Gesangseinlage einer mir ebenfalls nicht bekannten Dame, die spontan “Adon Olan” anstimmte. Und alle machten mit. Überhaupt brauchte sich der große Stand des Jüdischen Nationalfonds nicht über ausbleibende Besucher beschweren. Dafür sorgte auch die neue Wanderausstellung “Die Geschichte eines grünen Israels”, die erzählt, wie sich der JNF-KKL seit seiner Gründung für Israel einsetzt und was die Organisation genau tut. Aufschlussreich und sehr informativ. Übrigens: Die Ausstellung kann man sich noch bis zum 19. Dezember im Düsseldorfer Landtag anschauen.

Die Wanderausstellung "Die Geschichte eines grünen Israels" war auf dem Israelkongress erstmals zu sehen und gastiert bis zum 19. Dezember im Landtag in Düsseldorf

Die Wanderausstellung „Die Geschichte eines grünen Israels“ war auf dem Israelkongress erstmals zu sehen und gastiert bis zum 19. Dezember im Landtag in Düsseldorf

© Fotos und Text Bastian Glumm – Alle Rechte vorbehalten

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