Mai 2012 – Eilat

(bgl) Eilat im Mai 2012Der Blick nach Osten geht rüber nach Jordanien. Dort liegt nicht nur die Hafenstadt Aqaba, sondern auch das Wadi Rum. Ich dürfte das Farbenspiel bewundern, das sich hier offensichtlich jeden Abend abspielt, wenn die Sonne im Westen hinter den Bergen Eilats in Ägypten langsam verschwindet. Dann wird das Wadi mit seinen markanten Gebirgsformationen angestrahlt von einer warmen Restsonne und die Farben Ocker, Rotbraun und sogar Dunkelorange entfalten sich in eindrucksvoller Pracht. Ein wahrhaftiges Naturschauspiel, das meine Fotos hier nicht wirklich wiedergeben können. Das waren meine ersten prägenden Eindrücke in Eilat, in Israels Außenposten im äußersten Süden des kleinen Landes. Israels Zugang zum Roten Meer und Enklave mitten in der lebensfeindlichen Negev-Wüste. Eine kleine Stadt, die ihr enormes touristisches Potenzial erkannt hat und voll ausschöpft.

Die Fahrt von Jerusalem nach Eilat im Egged-Bus war ein einmaliges Erlebnis. Laut Fahrplan sollte der Bus der Linie 444 um 7 Uhr Ortszeit vom zentralen Busbahnhof in Richtung Rotes Meer losfahren. Tatsächlich warteten dort drei Busse mit der 444 auf der Front. Kein Wunder eigentlich, spielt die Eisenbahn in Israel so gut wie keine Rolle, aber die Leute wollen ja trotzdem quer durchs Land. Ich bestieg also den dritten der drei Busse und musste mit Freude feststellen, dass ich die gesamte Fahrt beide Sitzplätze für mich hatte. Außerdem saß ich auf der rechten Busseite. Die Sonne geht im Osten auf und wir waren nach Süden unterwegs. Die Herrschaften hatten also links den Sichtschutz runter. Ich hatte freie Sicht auf die raue Landschaft der Judäischen Wüste und des Negev, die kurz hinter Jerusalem begann und bis nach Eilat nicht mehr aufhörte. Absolut fantastisch und immer wieder ein absoluter Genuß für alle Sinne!

Drei Egged-Busse der Linie 444 von Jerusalem nach Eilat. Auf halber Strecke traf sich die kleine Kolonne auf einem Rastplatz mitten in der Wüste Negev

Drei Egged-Busse der Linie 444 von Jerusalem nach Eilat. Auf halber Strecke traf sich die kleine Kolonne auf einem Rastplatz mitten in der Wüste Negev

Wir kamen an Masada vorbei und ich erinnerte mich an vergangenes Jahr, als ich mit Sophie auf der Festung war (und 2013 auch wieder in gleicher Besetzung). Danach rauschten wir durch Ein Gedi, der Bus hielt nur selten und dann auch nur ganz kurz. Irgendwo in der Wüste stieg dann der Schaffner zu. Ein unwirkliches Bild, als der Mann mit dem Schirmmützchen und viel zu engem Sakko die Leute nach den Tickets fragte. Nach rund zwei Stunden stand eine Pause auf dem Programm. Mitten im Nirgendwo tauchte eine Raststätte mit Tankstelle auf und alle drei Busse der Linie 444 trafen sich hier wieder. „25 minutes!“, sagte der Busfahrer. Ich ließ den Bus lieber nicht aus den Augen, als ich mir draußen die Füße vertrat. Die meisten Fahrgäste der drei Busse verteilten sich in der Raststätte. Zügig ging es dann nämlich weiter und die beiden Schlafmützen, die hinter mir gesessen haben, hat es dann erwischt. Deren Gepäck ging mit nach Eilat, aber ohne die beiden Herren. Pech gehabt, ihre Plätze blieben bis zur Ankunft unbesetzt.

Kurz vor Eilat nach fast fünf Stunden Fahrt ein Checkpoint. Der Bus hielt an. Zwei Mann der Grenzpolizei – junge Kerls, grünes Barett, Sonnenbrille und das M-16 umgehängt – kamen an Bord und führten eine Gesichtskontrolle durch. Vorne kamen die beiden rein, gingen einmal durch den Bus und am Hinterausgang sind sie wieder raus. Diesmal war wohl niemand verdächtiges im Bus. Direkt dahinter begann Eilat und binnen Minuten erreichten wir den Busbahnhof des Städtchens. Als ich ausstieg und meinen Koffer aus dem Stauraum des Busses holte, lernte ich zum ersten Mal die Wüste kennen. Die 40 Grad hauen einen aus den Schuhen, wenn man aus dem klimatisierten Bus kommt. Gut, dass ich meinen wundervollen Strohhut nur noch zum Duschen und Schlafen ausgezogen habe. Mit dem Taxi bin ich dann den letzten Rest rüber zum Isrotel Agamim gefahren, meinem Hotel für fünf Nächte. Gebucht über das Reisebüro des ADAC.

Bei 40 Grad im Schatten kommt ein Saftladen wie dieser gerade recht. Überhaupt lohnt es sich immer zu probieren, denn die frisch gepressten Säfte sind meist köstlich

Bei 40 Grad im Schatten kommt ein Saftladen wie dieser gerade recht. Überhaupt lohnt es sich immer zu probieren, denn die frisch gepressten Säfte sind meist köstlich

Der erste Eindruck des Hotels war katastrophal. Ein unglaubliches Durcheinander in der Lobby, massenweise Leute, die einchecken wollten und noch mehr wollten raus. Babylonisches Stimmengewirr! Ich musste warten und wurde sauer. Nach 45 Minuten war ich dann endlich an der Reihe und konnte einchecken. Dann erfuhr ich, dass mein Zimmer noch gar nicht fertig sei. In zwei Stunden sei es aber garantiert soweit. Na bravo! Innerlich hab ich den ADAC verflucht und den ganzen Touristenscheiß, den ich ja eigentlich gar nicht so mag. Wie konnte ich mir nur so ein blödes Urlaubshotel aussuchen? Dass sich die Wartezeit lohnen sollte, das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. Also gab ich mein Gepäck ab und verließ das Hotelgebäude vorbei an den drei bewaffneten Wachen am Haupteingang des Hauses.

Rund um die Strandpromenade ist Eilat voll auf den Torusimus zugeschnitten. Zahlreiche Restaurants findet man dort ebenso, wie unzählige Möglichkeiten zum Shoppen! Auch Ausflüge und Bootsfahrten können ab dort gebucht werden

Rund um die Strandpromenade ist Eilat voll auf den Tourismus zugeschnitten. Zahlreiche Restaurants findet man dort ebenso, wie unzählige Möglichkeiten zum Shoppen! Auch Ausflüge und Bootsfahrten können ab dort gebucht werden

Da ich den Stadtplan von Eilat bereits seit Monaten einigermaßen im Kopf hatte, wusste ich ziemlich genau, welchen Weg ich zu nehmen hatte, um zur Promenade zu kommen. Windstille und die erbarmungslose Hitze trugen nicht unbedingt zur Besserung meiner Laune bei. Erstmal ne kleine Pizza und ne Sportlimo am Pier verköstigt und danach gemächlich zurück zum Hotel spaziert. Da kühlte mein Gemüt so langsam ab. Trotz 40 Grad. Nochmal 30 Minuten Wartezeit und dann haben sie mir endlich den Schlüssel in die Hand gedrückt. Im Gegensatz zum Personal in meinem Jerusalemer Hotel waren die Herrschaften hier im Agamim durchweg sehr freundlich und entgegen kommend. Das hat mir dann wiederum gefallen und meine Wut weiter abgekühlt.

Isrotel Agamim in Eilat. Das gehörte mit zu meinem Hotelzimmer. Eine eigene Terrasse und ein direkter Zugang zum Pool. Ein unglaublich tolles Hotel

Isrotel Agamim in Eilat. Das gehörte mit zu meinem Hotelzimmer. Eine eigene Terrasse und ein direkter Zugang zum Pool. Ein unglaublich tolles Hotel

Das Hotelzimmer hat letztlich alles getoppt, was ich in meinen langen Jahren bisher von innen gesehen habe. Ich habe über den ADAC einen Standardraum gebucht und die geben mir ein Exklusiv-Zimmer mit direktem Zugang zum Pool. Unglaublich. Das alles hat auch längst nichts mehr mit Glück zu tun. Schnell hatte ich mich eingerichtet und zurechtgefunden. Bis auf den Kühlschrank, der nicht richtig funktionierte, war das Zimmer einsame klasse. Kurz nachdem ich drin war, klopfte es auch schon an der Tür und ein Hotelangestellter überbrachte mir einen Willkommensgruß des Hauses mit einer köstlichen Kostprobe Schokolade. Großartig! Die nun folgenden Tage habe ich also – wie seinerzeit schon angekündigt – mit in der Sonne liegen und Goldstar trinken verbracht inklusive drei Mal am Tag rumplantschen im Pool vor der Haustür. La dolce vita!

Ein Paradies und das nicht nur für Kinder: das Isrotel Agamim in Eilat. Hier scheint jeden Tag die Sonne. Da dreht man umso lieber seine Runden im tollen Pool des Hotels

Ein Paradies und das nicht nur für Kinder: das Isrotel Agamim in Eilat. Hier scheint jeden Tag die Sonne. Da dreht man umso lieber seine Runden im tollen Pool des Hotels

Übrigens: zumindest in Sachen Frühstück verwandle ich mich in Israel jedesmal zum Vegetarier. Was die fleischlos auftischen, das ist Verzückung pur. Einen Haufen Gurken und Tomaten, dazu den geilen israelischen Hüttenkäse (nicht dieses laffe deutsche Zeugs aus dem Supermarkt) und ein paar Gemüsekuchen und Pasteten dazu und los geht der Tag. Links und rechts von meinem Refugium sind israelische Familien mit einigen Kinderchen eingezogen. Deshalb ist für mich die schönste Tageszeit der Abend. Keine Gebrülle, kein Geplansche, nur himmlische Ruhe, wenn die kleinen Hosenkacker endlich in die Heia müssen. Tagsüber muss ich aber dann doch schonmal schmunzeln, wenn ich die ganz kleinen Wichtel hier lauthals hebräisch rumkrakeelen höre, meistens vor lauter Freude in Anbetracht des tollen Pools vor der Haustüre. Mittags bin ich dann rüber zu „Chill out Bar“ geschlappt und habe mir ne Ladung asiatisches Futter geholt. Die Bar abends habe ich mir allerdings gespart. Trotz des tollen Ambientes. 20 Schekel für 0,33 Goldstar war mir eindeutig zu happig. Von diesen deftigen Preisen wussten offensichtlich auch die Händler rund um die Hotels. In den kleinen Supermärkten wurden dann auch schonmal vier Goldstar 0,5 zum gleichen Preis insgesamt vertickt. Deshalb habe ich abends auf dem Sonnendeck lieber die eigene Bar aufgemacht.

© Fotos und Text Bastian Glumm – Alle Rechte vorbehalten

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: