Zum Abi nach Israel

Es gibt diese Momente, in denen Julia Kritschmar besonders viel Überzeugungsarbeit leisten muss. Da können die Argumente noch so gut sein, manchmal beisst sie anfänglich einfach auf Granit. „Jüdische Mütter geben ihre Kinder halt nur ungern her“, schmunzelt die Berlinerin. Und auch so manche Gemeinde begegnet der Repräsentantin des Naale-Programms im deutschsprachigen Raum zuweilen etwas reserviert. Das aber vollkommen unbegründet, wie Julia Kritschmar klar stellt: „Wir nehmen niemandem sein Kind weg“. Rund 15.000 junge Menschen haben seit dem Start des Programms ihren Weg aus der Diaspora nach Israel gefunden, um dort ihr Abitur zu machen. Und das ganz ohne Eltern! Aus Deutschland kommen jährlich rund zehn Teenager nach Eretz Israel. Zukünftig sollen es noch mehr werden. „An diesem Programm nehmen 26 Schulen teil, die alle mit Internaten verbunden sind. Die Kinder werden dann in Israel die 10., 11. und 12. Klasse durchlaufen“, erklärt Julia Kritschmar.

Das in Israel abgelegte Abitur ist weltweit anerkannt. In den israelischen Schulen wird in der 10. Klasse mehrsprachig unterrichtet. So gibt es sowohl englischsprachige Klassen, als auch solche, die auf Russisch unterrichtet werden. Unabhängig der Sprache werden alle Kinder zusätzlich 20 Stunden in der Woche zum Iwrit-Sprachunterricht geschickt, denn die Klassen 11 und 12 werden ausschließlich in Hebräisch gelehrt und das dann im israelischen Regelunterricht. Übrigens: Den Jugendlichen ist es dabei frei überlassen, ob sie sich für ein religiöses oder ein säkulares Internat entscheiden.

Julia Kritschmar arbeitet seit acht Jahren für die Jewish Agency und ist seit Juli 2013 Repräsentantin des Naale-Programms in Deutschland (Foto: Bastian Glumm)

Julia Kritschmar arbeitet seit acht Jahren für die Jewish Agency und ist seit Juli 2013 Repräsentantin des Naale-Programms in Deutschland (Foto: Bastian Glumm)

Bevor die Teenager in das Naale Elite Academy Programm aufgenommen werden, werden sie ganz genau unter die Lupe genommen. „Zu diesem Anlass kommen eigens Psychologen aus Israel“, berichtet Julia Kritschmar. Abseits eines IQ-Tests stehen außerdem Vorstellungsgespräche im Rahmen eines eintägigen Auswahlverfahrens auf dem Programm. Denn neben den schulischen Leistungen der Naale-Interessenten spielen auch die emotionale Reife, ein gewisses Maß an Führungsqualität sowie der Wunsch, in Israel zu lernen, eine Rolle. „Das Emotionale ist hier sehr wichtig. Die jungen Leute müssen fähig sein, in einer Gemeinschaft zu leben“, macht Julia Kritschmar deutlich. Das alles aber ohne jeglichen Zwang. Ganz im Gegenteil. Wer gehen möchte, der darf das Programm jederzeit verlassen. Was aber außerordentlich selten vorkommt. Sprechen die Zahlen doch für sich: 96 Prozent der Schülerinnen und Schüler des Naale-Programms machen in Israel ihr Abitur. 80 Prozent bleiben darüber hinaus sogar direkt ganz im Heiligen Land.

Genau in diese Richtung zielt das stark subventionierte Naale-Programm, das im Jahr 1993 vom Staat Israel und der Jewish Agency initiiert wurde. „Naale“ bedeutet sinngemäß, dass Kinder noch vor ihren Eltern „Alija“ machen. Kosten entstehen den Familien so gut wie keine, denn Anreise, Verpflegung, Unterkunft, Taschengeld, ja selbst die Krankenversicherung wird von der Naale Elite Academy übernommen. „In Israel freut man sich über jeden Schüler, der bleibt. Aber auch über jeden, der geht. Denn die Zurückkehrer sind auch die Botschafter des Staates Israel in der Diaspora“, sagt Julia Kritschmar, die seit acht Jahren für die Jewish Agency tätig ist und seit vergangenem Juli schwerpunktmäßig das Naale-Programm betreut.

Ankunft der neuen Schüler für das Schuljahr 2013/14 am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv (Foto: Darryl Egnal)

Ankunft der neuen Schüler für das Schuljahr 2013/14 am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv (Foto: Darryl Egnal)

Auch Ana Friberg fiel der Abschied von zu Hause zunächst nicht so leicht. Doch schnell lebte sich die 16-Jährige im Naale-Programm in Israel ein. „Ich muss meine eigenen Entscheidungen treffen, was für mich wichtig ist, was der richtige Weg ist“, weiß die in Russland geborene Schülerin ihre neue Eigenständigkeit zu schätzen. Begeistert ist sie aber nicht nur vom Unterrichtsprogramm als solches: „Es gibt keinen Ort wie Israel. Man kann nichts Vergleichbares finden. Ich bin hier sehr glücklich und freue mich, dass ich an diesem Programm teilnehme“.

© Foto und Text Bastian Glumm – Alle Rechte vorbehalten

Weitere Informationen im Internet unter www.elite-academy.org

Kontakt per Mail: naale.deutschland@gmail.com

Telefon Naale Deutschland: 030-284 515 29

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: