Berlin – ברלין

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Eigentlich ist mein Namensgedächtnis ja nicht das schlechteste. Jetzt aber wurde es gehörig auf die Probe gestellt. An den ersten beiden Tagen des Besuchs der fünf israelischen Kollegen hatte ich echte Schwierigkeiten, Noam von Naomi und die beiden Yorams auseinanderzuhalten. Nur Yifzhak kam ohne Namensvetter nach Berlin, so dass ich zumindest ihn bereits am Montag namentlich zuordnen konnte. Auf Einladung des Pressenetzwerkes für Jugendthemen aus Bonn, dürfte ich den offiziellen Besuch der fünf israelischen Kolleginnen und Kollegen in Berlin mit der Kamera begleiten, was Organisator Jörg Wild dankenswerterweise möglich machte. Los ging es also montags im Motel One am Moritzplatz im pittoresken Berlin-Kreuzberg.

Am frühen Nachmittag versammelten wir uns in der Lobby des Hotels, um die fünf israelischen Gäste zu begrüßen. Mit dabei waren neben Jörg Wild, den Israelis und mir selbst auch eine Übersetzerin, die sowohl ins Deutsche und Englische als auch ins Hebräische dolmetschte. Bevor wir mit unserer kleinen Stadtführung loslegten, wurden aber noch Gastgeschenke verteilt. Und derer hatten die israelischen Gäste zahlreiche dabei. Kein Wunder, arbeiten doch alle fünf für den israelischen Radiosender Galgalatz, der in Israel die führende Radiostation ist. Galgalatz ist übrigens der Sender der israelischen Armee, was sich allerdings in keinster Weise auf das Programm auswirkt. Es wird sehr viel Musik gespielt und weniger über Politik gesprochen. Von den fünf Journalisten waren also vier Zivilisten, während die jüngste im Bunde im Sender in Yafo ihren Dienst in Uniform versieht. Wenn alles klappt und ich die Zeit dazu finde, werde ich im kommenden Oktober Galgalatz besuchen. Denn ich kenne weder den Sender als solches, noch Yafo als Ort. Grund genug, mir dafür mindestens einen Tag Zeit zu nehmen.

Vor der Stadtführung trafen wir uns in der Lobby des Motel One. Die beiden Yorams (li.) brachten Jörg Wild zahlreiche Gastgeschenke mit

Vor der Stadtführung trafen wir uns in der Lobby des Motel One. Die beiden Yorams (li.) brachten Jörg Wild kleine Gastgeschenke mit

Der Moritzplatz in Berlin ist im Grunde ein Kreisverkehr mit U-Bahn-Station im Herzen Kreuzbergs. Dort begann also unsere kleine Wanderung, die ihren ersten Stopp bereits im Eingangsbereich des Hotels erfuhr. Wir stolperten sprichwörtlich über zwei Stolpersteine, die auf zwei Opfer der Nazis hinwiesen, die im 3. Reich im Vorgängergebäude des Motel One lebten. Das waren die ersten Eindrücke für unsere Israelis, bevor es in Richtung Oranienstraße weiterging. Ich plauderte ein wenig mit Naomi, die im Sender die markante Moderationsstimme ist. Ich erklärte ihr, dass es in Berlin Stadtteile gibt, die sich durchaus mit dem turbulenten Tel Aviv vergleichen lassen. Auch wunderte sie sich, als ich erzählte, dass es in Berlin dichte Waldgebiete gibt und man sich nicht mehr so fühlen würde, als wäre man noch in der deutschen Hauptstadt. Für Naomi war es übrigens der erste Besuch in Deutschland. Ihre Kollegen waren alle bereits schon einmal in der Bundesrepublik gewesen. Ein Spaziergang durch Kreuzberg ist niemals langweilig. Zu sehen gibt es genug. Am Oranienplatz vorbei am Flüchtlingscamp, haben wir uns in einem mexikanischen Restaurant erst einmal gestärkt. Weiter ging es dann im Doppeldeckerbus zum Anhalter Bahnhof und von dort dann zu Fuß ins Stadtzentrum.

Entlang der Stresemannstraße machten wir uns auf den Weg ins Regierungsviertel. Zunächst schauten wir uns den Potsdamer Platz mit Sony Center an. Auf besonderen Wunsch unserer Gäste wanderten wir dann rüber zur Voßstraße, um das Areal des ehemaligen Führerbunkers zu besichtigen. Obwohl dort nichts zu sehen ist – immerhin steht inzwischen eine Informationstafel vor dem Parkplatz – ist dieser Ort ein magischer Anziehungspunkt für Touristen aus aller Welt. Auch an jenem Tag standen große Pulks aus aller Herren Länder vor der Schranke zum Parkplatz, um das zu sehen, was sie für des Führers letzte Behausung halten. Nun ja! Ein Steinwurf entfernt davon befindet sich das Denkmal für die ermordeten Juden Europas. Ich selbst war nie ein ausgesprochener Freund dieser Installation. Ich hätte es sehr viel passender gefunden, wenn man an dieser Stelle ein großzügiges  Dokumentationszentrum mit Museum o.ä. eingerichtet hätte. Es ist und bleibt unpassend, wenn man ein derartiges Stelenfeld mitten in der Stadt platziert, dann aber gleichzeitig erwartet, dass vor allem Kinder und Jugendliche dort keinen Unfug treiben. Darauf werden Besucher des Denkmals nämlich auf entsprechenden Schildern eigens hingewiesen. Dass das Teil außerdem potthässlich ist, steht zudem auch noch auf einem anderen Blatt Papier. Wie dem auch sei, der Ort schien dennoch seine bleibenden Eindrücke bei unseren israelischen Besuchern hinterlassen zu haben.

Naomi und Noam im Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Naomi und Noam im Denkmal für die ermordeten Juden Europas

Das tat auch das Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas, das im Tiergarten zwischen Reichstag und Brandenburger Tor an der Scheidemannstraße zu finden ist. Es gab ja ein jahrelanges Hickhack, bis es zur Einweihung des Denkmals kam. Ich finde es durchaus angemessen und auch würdevoll gelungen. Man darf sich allerdings darüber streiten, ob es notwendig ist, via Lautsprecher das Gelände des Mahnmals mit schwermütigen Geigenklängen zu beschallen. Seine Wirkung verfehlt das aber auf gar keinen Fall. Der Gang zum Reichstag auf der anderen Straßenseite dürfte im Anschluss daran natürlich nicht fehlen. Ebenso wie eine Stippvisite des Pariser Platzes vor dem Brandenburger Tor, an dem wie immer unheimlich viel los war. An dieser Stelle habe ich mich von der Gruppe verabschiedet und auf den Weg zurück zum Prenzlauer Berg gemacht. Ich sollte alle zwei Tage später wiedersehen.

Während ich den Dienstag als Programmtag auslassen musste, schloss ich mich der kleinen Reisegruppe am Mittwoch wieder an. Morgens um 10 Uhr trafen wir uns vor der Peter-Paul-Rubens-Schule in Berlin-Friedenau. Dort waren wir mit Anna verabredet. Anna ist eine junge Israeli, die an der Gemeinschaftsschule ein elfmonatiges Volontariat absolviert. Dort kümmert sie sich um die Betreuung der Schüler parallel zum Regelunterricht. Über ihre Erfahrungen, die sie als junge Israeli im deutschen Schulwesen macht, erzählte sie ihren fünf Landsleuten und uns. Es entspann sich ein hochinteressanter Dialog. So erzählte Anna nicht nur aus ihrem Schulalltag. Auch wurden gezielt Fragen gestellt, wie es denn um das Problem Antisemitismus an dieser stark von muslimischer Migration geprägten Schule bestellt ist. Glücklicherweise hat die junge Frau so gut wie keine negativen Erfahrungen in dieser Richtung machen müssen. Natürlich würden sich mit Schülern und auch Lehrern politische Diskussionen entwickeln, die mitunter auch sehr emotional geführt würden. Aber sie würde sich niemals für Israel entschuldigen. Warum sollte sie auch. Auch erklärte sie die persönlichen Gründe für ihren Aufenthalt in Deutschland und ob sie sich vorstellen könnte, in Berlin für länger zu bleiben, wie es ja inzwischen viele Israelis tun würden. Nein, das sei nicht ihr Ziel. Sie ist und bleibt Israeli und möchte durch diesen Auslandsaufenthalt Erfahrungen und neue Eindrücke sammeln und dann wieder zurück nach Israel. Mich hat das beeindruckt. Vor allem die Perspektive als deutscher Beobachter eines Dialogs zwischen Israelis in Deutschland über Deutschland.

Anna Kreynin kommt aus Israel und macht an der Peter-Paul-Rubens-Schule in Friedenau ein elfmonatiges Volontariat

Anna Kreynin kommt aus Israel und macht an der Peter-Paul-Rubens-Schule in Friedenau ein elfmonatiges Volontariat

Im Anschluss an das Gespräch mussten wir uns auf einen etwas weiteren Weg machen. Ein Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg stand jetzt auf dem Programm. Da ich mit dem Auto unterwegs war, habe ich direkt angeboten, dass ich auch Leute mitnehmen könnte. Das ließen sich die beiden Damen und die Dolmetscherin nicht lange sagen, so dass ich den Wagen flott voll hatte und wir unterwegs waren. Die restliche Gruppe nahm den Bus und dann die S-Bahn. Auf der Fahrt nach Oranienburg hatten wir genug Zeit, ein wenig über unsere jeweiligen Erfahrungen in den jeweiligen Armeen zu plaudern. Und so erfuhr etwas über Dienstzeiten und Wehrpflicht in der israelischen Armee. Ich konnte dabei nur aus einem eigenen Bundeswehr-Erfahrungsfundus schöpfen, der inzwischen auch schon fast 20 Jahre zurückliegt. Am Bahnhof in Oranienburg parkte ich den Wagen ab und wir warteten in einem Cafe auf den Rest der Gruppe. Diese kamen etwa eine halbe Stunde nach uns am Bahnhof an. Nun machten wir uns auf den Weg in Richtung des Mahnmals. Dort erwartete uns Aya. Auch Aya kommt aus Israel und arbeitet in der Gedenkstätte Sachsenhausen im pädagogischen Dienst und macht somit auch viele Führungen mit Schulklassen durch das ehemalige Konzentrationslager.

In der Gedenkstätte Sachsenhausen: Aya Tzarfati und Martin Schellenberg vom pädagogischen Dienst der Gedenkstätte

In der Gedenkstätte Sachsenhausen: Aya Tzarfati und Martin Schellenberg vom pädagogischen Dienst der Gedenkstätte

Sie erzählte aus ihren Erfahrungen mit Gruppen. Auch mit Antisemitismus hatte es die junge Israeli schon zu tun: „ – Sind Sie Jüdin? Sie sehen so jüdisch aus -, fragte mich eine Lehrerin“, ist Aya noch heute erschüttert, dass derartige Äußerungen auch von Pädagogen kommen können. Anders bei überwiegend muslimischen Gruppen, die Gedenkstätte und Museum besuchen. Diese seien recht häufig ganz besonders am Thema Holocaust und Nationalsozialismus interessiert und würden auch immer Fragen stellen. Das sei längst nicht bei allen Besuchergruppen der Fall, resümierte Aya. Einem Vortrag über die Entwicklung und die Geschichte des Konzentrationslagers Sachsenhausen folgte eine Vorstellung der Arbeit des pädagogischen Dienstes der Gedenkstätte. Anschließend begann die Führung. Ich war an jenem Mittwoch bereits zum vierten Mal in Sachsenhausen. Aber es war meine erste Führung durch die Gedenkstätte. Aya führte uns über das Hauptportal („Arbeit macht frei“) auf den Appellplatz, wo seinerzeit angetreten und abgezählt, hingerichtet und bestraft wurde. Berüchtigt war Sachsenhausen für seine „Schuhprüfstrecke“. Häftlinge der Strafkompanie mussten stundenlang im Kreis gehen, laufen, rennen. Über eine bestimmte Strecke, die aus wechselnden Bodenbelägen bestand. Manchmal mit schweren Rucksäcken auf dem Rücken und das mitunter mehr als 40 Kilometer täglich. So wollte die damalige Schuhindustrie nicht nur für die Soldaten der Wehrmacht das beste Schuhwerk entwickeln. Dabei brachen Häftlinge reihenweise zusammen, erlagen ihrer Erschöpfung und den Schikanen oder wurden direkt ermordet.

In der Gedenkstätte Sachsenhausen: Aya Tzarfati erläutert den Weg zum Hauptportal des ehemaligen Konzentrationslagers

In der Gedenkstätte Sachsenhausen: Aya Tzarfati erläuterte den Weg zum Hauptportal des ehemaligen Konzentrationslagers

Die rekonstruierten Baracken für die jüdischen Häftlinge, die insgesamt in diesem KZ „nur“ 20 Prozent ausmachten, zeugen von der unmenschlichen Art der Unterbringung. Leider blieb uns nicht die Zeit, auch noch den Zellenbau zu besuchen. Gerade diesen fand ich in allen meinen bisherigen Besuchen als ganz besonders bedrückend. Dafür suchten wir Stätten auf, die ich noch nicht kannte. So auch den Erschießungsgraben und den Gedenkort „Station Z“. Besonderes Erstaunen über eine gewisse diabolische Genialität in Sachen Tötungsmethoden verursachte die Genickschussanlage, die im Museum angeschaut werden darf. Rund zwei Stunden dauerte die Führung durch das weitläufige Lager, bevor wir uns langsam auf den Weg zurück nach Berlin machten. Auch wenn ich kein Fan von „Lager-Tourismus“ bin, war dieser Besuch anders als alle meine Besuche in KZ-Gedenkstätten bisher. Das mag an unseren Begleitern aus Israel, aber auch an der Art und Weise gelegen haben, wie uns Aya lebhaft und fundiert die Geschichte des Lagers nahebrachte.

Also fuhr ich die Damen zurück in die Hauptstadt und machte gegen Abend dann auch Feierabend im Prenzlauer Berg. Von da aus spazierte ich am darauffolgenden Tag gegen Mittag zu Fuß zur Ackerstraße in Mitte. Dort hat der Verein Zeitzeugenbörse seine Räume. Hier trafen wir uns alle wieder und auch den Berliner Gabriel Berger, der aus seinem Leben erzählte und unseren Israelis Rede und Antwort stand. Berger hat ein bewegtes Leben hinter sich. Gabriel Berger ist Jude und wurde 1944 in Frankreich in einem Versteck geboren. Später entwickelte er sich zu einem überzeugten Kommunisten und lebte im Ostteil Deutschlands. Dann aber wandelten sich seine Überzeugungen, so dass er in Konflikt mit dem Staatsapparat der SED geriet und sogar für ein Jahr in ein Stasigefängnis wanderte. Erst nach seiner Haftstrafe konnte der Physiker in den Westen ausreisen. Ein Konflikt mit dem sozialistischen Staat, dem ihm Teile seiner durchweg kommunistisch geprägten Familie bis heute ernsthaft übel nehmen. Wie sehr, würden wir erst einen Tag später erfahren. Eva Geffers vom Verein Zeitzeugenbörse stellte zunächst die Arbeit ihrer Initiative vor. Auf Anfrage kann sie Zeitzeugen zu ganz bestimmten historischen Epochen oder konkreten Ereignissen vermitteln. In erster Linie handelt es sich dabei inzwischen um Menschen, die in irgendeiner Form ihre Erfahrungen mit der DDR-Diktatur bzw. der Teilung Deutschlands gemacht haben. 180 Zeitzeugen befinden sich in der Kartei des Vereins. Zahlreiche Schulen machen vom Angebot des Vereins Gebrauch und unterstützen ihre Unterrichtseinheiten durch die „Bestellung“ von Zeitzeugen zu den jeweiligen Themen.

Gabriel Berger ist Jude und wurde 1944 in einem Versteck in Frankreich geboren. Zunächst eingefleischter Kommunist, wanderte er später aufgrund seiner gewandelten Überzeugungen in ein DDR-Gefängnis. Danach dürfte er in den Westen ausreisen. Seinen Ausführungen lauschten...

Gabriel Berger ist Jude und wurde 1944 in einem Versteck in Frankreich geboren. Zunächst eingefleischter Kommunist, wanderte er später aufgrund seiner gewandelten Überzeugungen in ein DDR-Gefängnis. Danach dürfte er in den Westen ausreisen. Seinen Ausführungen lauschten…

...die fünf Journalisten des israelischen Armeesenders Galgalatz

…die fünf Journalisten des israelischen Armeesenders Galgalatz

Wie lebte es sich als Jude in der DDR? Und warum blieb Gabriel Berger überhaupt so lange im Osten Deutschlands? Denn Juden war die Ausreise nach Israel fast ohne größere Schwierigkeiten möglich. So gab es auch Fälle, berichtete Berger, bei denen Juden aus der DDR nach Israel ausreisen dürften, diese Möglichkeit aber nutzten, um nach West-Berlin zu gehen. Gabriel Berger musste seinen israelischen Gesprächspartnern gestehen, diese Chance verpasst zu haben. Er erzählte vom Bruch mit seiner Familie, die dem sozialistischen Staat zum Teil bis heute die Treue hält. Berger jedoch ging neue Pfade und nach seiner Haft in die Bundesrepublik und in die Freiheit. Je länger das Gespräch mit ihm andauerte, desto mehr fühlte ich mich an meine eigene Familiengeschichte erinnert. Für unsere israelischen Gäste war die Unterhaltung mit Berger und Eva Geffers offenkundig eine mehr als aufschlussreiche Lektion in Sachen deutscher Geschichte. Für mich übrigens ebenfalls. Nachdem wir uns verabschiedet haben und im Garten des Vereins noch ein paar schöne Fotos machten, fuhren wir vom Rosenthaler Platz in der U-Bahn in die City West. Denn an der Joachimstaler Straße haben die Jüdische Gemeinde Berlin und die Jewish Agency ihre Räume. Wir trafen uns mit Anastasia von der Jugendarbeit der Gemeinde und mit Marianna, die in Deutschland die Jewish Agency vertritt. Dazu kamen zwei junge Gemeindemitglieder, die über jüdisches Leben in Berlin 2014 erzählten. Am frühen Abend gingen wir wieder auseinander. Ich suchte noch die Buchhandlung der Gemeinde auf, die im Erdgeschoss des Hauses beheimatet ist und ein umfangreiches Angebot an Werken rund um jüdische Themen zu bieten hat. Sehr zu empfehlen. Am nun folgenden Freitag trafen wir uns morgens vor der Akademie des Jüdischen Museums in Kreuzberg. Mitglieder des didaktischen Teams des Museums erklärten die Ausstellung als solches, aber auch die Aufgabe des Museums für die deutsche Öffentlichkeit. Denn oftmals käme es hier zu Missverständnissen. Man würde zwar dezidiert aufführen, wie man ein Shabbatfest feiert. Es aber nicht selbst feiern. Und in diese Richtung zielte auch die Frage eines der israelischen Journalisten: ob denn im Museum viele Juden arbeiten würden. Dies beantwortete die Museumshistorikerin mit einer Gegenfrage: ob man denn im Ägyptischen Museum viele angestellte Ägypter erwarten würde?

In den Räumen der Jüdischen Gemeinde Berlin an der Joachimstaler Straße lauschen Yifzhak und Yoram (li.) den Ausführungen der beiden jungen Gemeindemitglieder

In den Räumen der Jüdischen Gemeinde Berlin an der Joachimstaler Straße folgten Yifzhak und Yoram (li.) den Erklärungen der beiden jungen Gemeindemitglieder

Naomi und Noam in der Akademie des Jüdichen Museums in Berlin

Naomi und Noam in der Akademie des Jüdischen Museums in Berlin

Das Selbstverständnis des Museums in Kreuzberg ist eben jenes, dass man die Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland dokumentieren möchte. Und um das tun zu können, muss man nicht zwingend ein Jude sein. Im Jüdischen Museum war ich zuletzt 2002 und deshalb fand ich den Besuch mit unseren fünf Israelis und Gastgeber Jörg Wild heute umso spannender. Natürlich besuchten wir die Dauerausstellung und bekamen eine exklusive Führung durch die Ausstellung »Die Erschaffung der Welt. Illustrierte Handschriften aus der Braginsky Collection«. Zum Abschluss trafen wir uns danach an der Rudi-Dutschke-Straße im Café der taz. Dort sprachen wir noch einmal mit Gabriel Berger, der heute seine Schwester mitbrachte. Jetzt wurde die Kluft in der Familie mehr als deutlich, scheint die beiden nur noch wenig Zuneigung zu verbinden. Die Dame war während der DDR-Zeit als Filmemacherin der DEFA dem System eng verbunden. Und blieb es unverkennbar bis heute („Ich bin nicht in den Westen gegangen. Der Westen kam zu mir.“). Sie hatte eine Kamera im Gepäck und führte mit unseren Gästen aus Israel noch einige Interviews. Danach verabschiedete ich mich von Veranstalter Jörg Wild und den fünf israelischen Journalisten.

Im Garten der Zeitzeugenbörse an der Ackerstraße. Noam genießt den Frühling, der mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen in Berlin Einzug hielt

Im Garten der Zeitzeugenbörse an der Ackerstraße. Noam genoß den Frühling, der mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen in Berlin Einzug hielt

Diese hatten noch den gesamten Samstag für ein ausführliches Sightseeing und sollten erst am Sonntagabend nach Israel zurückfliegen. Mir fiel der Abschied etwas schwer, hatte ich die Frauen und Männer vom Sender Galgalatz in der Woche mehr als liebgewonnen. Als Abschiedsgeschenk bekam auch ich ein Galgalatz T-Shirt und eine Best of-CD. Ich hoffe, dass ich sie im Oktober in Yafo besuchen kann. Bis dahin werde ich fleißig den Stream des Radiosenders hören und mich auf den Gegenbesuch freuen. An dieser Stelle vielen Dank und Toda Raba an alle, die dabei waren. Auf ein baldiges Wiedersehen!

© Fotos und Text Bastian Glumm – Alle Rechte vorbehalten

Links zum Text:

Pressenetzwerk für Jugendthemen

Zeitzeugenbörse

Jüdisches Musem Berlin

Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten

Radio Galgalatz – גלגלצ

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