Sechstagekrieg 1967 – Sturm auf Ammunition Hill

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Ist das Ergebnis des Sechstagekrieges als solches historisch mehr als umstritten, war es der Konflikt als auslösender Moment ohnehin. Aber auch innerhalb der israelischen Führung wurde lange debattiert, gestritten und bis zuletzt gefeilscht, wen man wann angreift. Und ob es überhaupt notwendig gewesen sei. In diesem Kontext ist es deshalb eigentlich eher überraschend, dass der Angriff auf Ost-Jerusalem gegen die Widerstände des israelischen Verteidigungsministers Mosche Dajan durchgesetzt wurde. Gerade Jerusalem, wo sich Israelis und Jordanier seit Israels Staatsgründung 1948 und dem Waffenstillstand von 1949 an einer stark gesicherten Grenze Aug in Aug gegenüberstanden.

Ein Blick auf den Jerusalemer Stadtplan aus dem Jahr 1967 zeigt deutlich, dass es vom damaligen Grenzübergang am Mandelbaumtor zur Klagemauer nicht weit war. Vielleicht lediglich einige Minuten zu Fuß, hätte es eben jene Grenze damals nicht gegeben. So nah und doch so fern war die Klagemauer für die Israelis, die sich nicht ernsthaft vorstellen konnten, dort einmal wieder unbehelligt beten zu können. Denn unter jordanischer Verwaltung war es Israelis nicht gestattet, an der Klagemauer zu beten. Heute spaziert man dort durch die Altstadt und um diese herum, als hätte es derartige Grenzverläufe und Restriktionen nie gegeben. Während des Unabhängigkeitskrieges 1948 kämpften die Israelis erbittert gegen die Jordanische Legion in Jerusalem. Aber sie waren nicht in der Lage, die Altstadt für den jungen Staat Israel zu sichern.

So blieb es für Israel zunächst bei West-Jerusalem, während der Osten der Stadt vom Königreich Jordanien gehalten wurde. Doch alles änderte sich im Jahr 1967, als Israel nach ägyptischen Provokationen zum Präventivschlag ausholte. Während bereits am ersten Tag des Sechstageskrieges auf der Sinai-Halbinsel die Panzer rollten, blieb es in und um Jerusalem nicht ruhig. Jordanien wurde von Israel zwar aufgefordert, sich nicht am Konflikt zu beteiligen. Das antwortete mit Artillerie- und Mörserfeuer auf den israelischen Teil der Heiligen Stadt. Israel handelte auch an dieser Front.

General Dajan hatte zunächst Vorbehalte, mit einem schnellen Schlag gegen die Jordanier für klare Verhältnisse zu sorgen. Die blitzartigen Erfolge der israelischen Truppen im Sinai und die sich nun bietende Gelegenheit, ganz Jerusalem für Israel zu sichern, ließen Dajans Zweifel jedoch schwinden. Denn jetzt wurden Truppen frei und Israel verlegte zügigst Einheiten vom Sinai nach Jerusalem. Die Offensive konnte beginnen.

Zunächst beschränkten sich die Kämpfe auf und rund um das UN-Hauptquartier südlich der Altstadt. Dieses hatten jordanische Truppen besetzt und bedrohten so den westlichen Teils Jerusalems und nahmen ihn auch unter Feuer. Israelische Fallschirmjäger gingen hier am 5. Juni 1967 zum Angriff über und konnten die Jordanier recht schnell aus ihren Stellungen werfen. Heftige Kämpfe entwickelten sich auch weiter nördlich der Altstadtmauern. Die Jordanier warteten dort in einer befestigten Stellung auf die Israelis. Das alte Schlachtfeld Ammunition Hill ist heute ein Denkmal und darf besucht werden.

Die Jordanische Legion verteidigte den Hügel verbissen und wurde von arabischen Polizeieinheiten dabei unterstützt. Die alten Befestigungsanlagen dürfen heute besichtigt werden

Die Jordanische Legion verteidigte den Hügel verbissen und wurde von arabischen Polizeieinheiten dabei unterstützt. Die alten Befestigungsanlagen dürfen heute besichtigt werden

Die Jordanier hielten dort die Stellung, um die Verbindung Jerusalems zur israelischen Exklave auf dem Berg Scopus zu unterbrechen. Auch hier ging am 6. Juni 1967 eine verstärkte israelische Kompanie Fallschirmjäger zur Attacke über und traf auf zahlenmäßig mindestens gleichstarke Jordanier, die von Polizisten der nahegelegenen Akademie verstärkt wurde. Die jordanischen Verteidiger waren jedoch in Schützengräben und Bunkeranlagen verschanzt und konnten von erhöhter Stellung auf die Israelis herabschießen. Ein mörderischer Nahkampf mit Handgranaten und Maschinenpistolen entbrannte und hielt fast den ganzen Morgen an. Die Verluste waren auf beiden Seiten hoch. Die meisten Offiziere der israelischen Armee fielen aus, so dass der Kampf schließlich von den unteren Dienstgraden auf eigene Faust weitergeführt wurde. Die israelischen Angreifer holten schließlich einige Sherman-Panzer zur Verstärkung, was letztlich mit zum Erfolg beitrug. Was danach geschah, das ist Geschichte. Israelische Fallschirmjäger nahmen die Altstadt in die Zange, drangen durch das Löwentor in sie ein und stürmten den Tempelberg. Die Einnahme der Klagemauer ist im kollektiven Gedächtnis der Israelis eingemeißelt.

Der Angriff auf den Hügel wurde von den Israelis nach rund fünf Stunden härtester Nahkämpfe erfolgreich abgeschlossen. Das Schlachtfeld befand sich mitten im Stadtgebiet. 36 Israelis und 71 Jordanier fanden hier den Tot.

Der Angriff auf den Hügel wurde von den Israelis nach rund fünf Stunden härtester Nahkämpfe erfolgreich abgeschlossen. Das Schlachtfeld befand sich mitten im Stadtgebiet. 36 Israelis und 71 Jordanier fanden hier den Tod

Das Gefecht oben auf dem Ammunition Hill wurde außerordentlich hart geführt und erinnerte in seiner Art an die Grabenkämpfe im Ersten Weltkrieg. 36 israelische Soldaten ließen dort ihr Leben. Auch 71 Jordanier fielen an jenem Junimorgen im Jahr 1967. Oben auf dem Hügel hinter den Gräben und Kampfständen steht ein großes Munitionslager der ehemaligen Polizeiakademie. Daher hat der Ort seinen Namen. Heute befindet sich darin ein Museum. Das gesamte Gelände wurde so belassen und nicht verändert. Man kann sowohl in den Gräben herumwandern, als auch die Unterstände und Kampfstellungen besuchen. Außerdem steht vor dem jordanischen Grabensystem ein israelischer Sherman-Panzer. Wer Zeit hat, sollte sich diesen einmal genauer anschauen. Wanne und Fahrwerk sind fast identisch mit denen jener amerikanischen Modelle aus dem Zweiten Weltkrieg. Turm und Kaliber des Hauptgeschützes sind es nicht (siehe Foto).

Die Jerusalem-Brigade unterstützte den Angriff der Fallschirmjäger auf Ammunition Hill mit mehreren Sherman-Panzern. Eines dieser Exemplare kann dort besichtigt werden. 1967 nutze die israelische Armee die aufgemotzte Version des Klassikers. Verbesserter Turm und größeres Kaliber. Mit diesen Panzern wurde auch der Sinai im Sturm genommen.

Die Jerusalem-Brigade unterstützte den Angriff der Fallschirmjäger auf Ammunition Hill mit mehreren Sherman-Panzern. Eines dieser Exemplare kann dort besichtigt werden. 1967 nutze die israelische Armee die aufgemotzte Version des Klassikers mit verbessertem Turm und größerem Kaliber. Mit diesen Panzern wurde auch der Sinai im Sturm genommen

Im Besucherzentrum wurde ich außerordentlich herzlich empfangen. Als ich dem jungen israelischen Guide am Eingang sagte, dass ich Deutscher bin, nahm sich dieser noch mal extra Zeit für mich und erklärte mir alles en detail und führte mich sogar ein wenig herum. Bevor man sich auf das Gelände des ehemaligen Kampfplatzes wagt, empfehle ich den Besuch der multimedialen Vorstellung der Schlacht um Jerusalem. Auf einem Modell der Stadt Jerusalem (Stand: 1967) wird anhand von Lichteffekten und kleinen Scheinwerfern dargestellt, wie der Sechstagekrieg in der Heiligen Stadt ablief. Sehr informativ und wirklich gut gemacht. Dazu gibt es Audiokommentare in Englisch und Hebräisch. Wer sich für die Geschichte Israels allgemein und für Kriegsgeschichte speziell interessiert, dem sei der Besuch dieser Einrichtung unbedingt angeraten.

Anhand dieses Modelles der Stadt Jerusalem werden die Ereignisse im Juni 1967 dargestellt. Angriffsrichtungen und Kämpfe werden auf der plastischen Karte mit Lichteffekten dargestellt.

Anhand dieses Modelles der Stadt Jerusalem werden die Ereignisse im Juni 1967 dargestellt. Angriffsrichtungen und Kämpfe werden auf der plastischen Karte mit Lichteffekten dargestellt

Heute wie damals befindet sich Ammunition Hill in keinster Weise außerhalb des Stadtgebietes. Es liegt mitten in Jerusalem, umringt von Wohnsiedlungen und Hauptstraßen. Als abschließende Anekdote noch am Rande: Ich hatte mir damals an der Ben Yehuda Straße ein Taxi genommen. Mein palästinensischer Taxifahrer wusste nicht, wo sich Ammunition Hill befindet. Er wusste auch nicht, was das überhaupt sein soll. Also musste ich ihm anhand eines Stadtplanes erklären, wie er zu fahren hatte. Ob er es wirklich nicht wusste oder ob er aus Trotz nur so tat, als wenn er es nicht wüsste, wird sein Geheimnis bleiben. So oder so kam ich an und auch wieder zurück. Der Sechstagekrieg jährt sich in diesen Tagen zum 47. Mal. Die Gräben sind noch immer tief. Nicht nur auf dem Ammunition Hill.

© Fotos und Text Bastian Glumm – Alle Rechte vorbehalten

Ammunition Hill Gedenkstätte und Musuem

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