Judenhass feiert gruselige Renaissance

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Morgens auf dem Weg zur Arbeit höre ich ganz gern mal WDR 5. Keine Werbung, eine unaufgeregte Präsentation des Programms und meist recht fundierte Reportagen. Im Grunde genau das Richtige, um morgens nicht direkt schlechte Laune zu bekommen. Regelmäßig hat der Sender eine Presseschau im Programm. Dort wird die Berichterstattung der großen deutschen Zeitungen zu bestimmten Themen zusammengefasst und vorgetragen. Jetzt war also mal wieder Israel an der Reihe. Um genau zu sein: Die Leitartikel rund um die antisemitischen Ausfälle in deutschen Großstädten in den vergangenen Wochen. Auffällig dabei ist der Umstand, dass manche Zeitungen den Terminus „Antizionismus“ noch immer derart gegen einen Antisemitismusvorwurf verteidigen, dass sie selbst nicht mehr bemerken, wie sehr sie den Weg der objektiven Berichterstattung verlassen haben. Man könnte fast den Verdacht bekommen, dass sie sich ertappt fühlen.

Bei anderen Medien bekommt man derweil den Eindruck, dass sie die Geister sehr wohl zur Kenntnis nehmen, die auch die Art ihrer Berichterstattung zum Gaza-Konflikt auf den Plan gerufen hat. Und das hat sie offensichtlich überrascht. Denn entfesselte Moslem-Horden in den Fußgängerzonen deutscher Großstädte, die „Allahu Akbar“, „Jude, Jude, feiges Schwein. Komm heraus und kämpf allein“ oder „Juden ins Gas“ skandieren, haben nichts mehr mit Antizionismus zu tun. Nein, hier hat man es mit einem offen zur Schau gestellten Judenhass zu tun, wie er seit 1945 nicht mehr in Deutschland gezeigt wurde. Ganz unverhohlen, ganz unverblümt und mit einer fanatischen Überzeugung zum Ausdruck gebracht. Ohne Angst vor Konsequenzen, die es ja auch nicht wirklich gibt. Die hassverzerrten Fratzen der jungen arabisch- und türkischstämmigen Männer, die latente Gewaltbereitschaft der Demonstrationsteilnehmer und das hysterische Schreien von Parolen von jungen Frauen mit Kopftuch sind keine Israelkritik mehr. Was da mitten in Deutschland passiert, das hat eine ganz neue diabolische Qualität erreicht. Umso mehr Besorgnis sollte es eigentlich erregen.

Auf WDR 5 wurde weiter berichtet, dass manche Zeitungen sich beklagen würden, dass man doch Israel bitteschön weiter kritisieren dürfe. Oder etwa nicht? Wenn man die öffentlich-rechtlichen Medien konsumiert und auch Zeitungen liest, dann passiert doch nichts anderes. Israel wird ununterbrochen kritisiert. Für jeden Schritt, den Netanjahu oder seine Regierung macht und jede Aktion, die er gegen Gaza in die Wege leitet, erntet Israel harsche Kritik der deutschen Medien. Ich frage mich hier allen Ernstes, wie groß die Wahrnehmungsprobleme mancher deutscher Journalisten wirklich sind. Und wenn ein Journalist moniert, dass Israel mit seinen Luftangriffen und Bodenoperationen gegen Gaza zu weit gehen würde, dann ist das eine vollkommen zulässige Kritik an der derzeitigen Politik des Staates Israel. Wenn ein Journalist behauptet, dass auf den Demonstrationen der Pro-Palästina-Fraktionen in den deutschen Großstädten alles mit rechten Dingen zugehen würde, dann ist das nahe am Antisemitismus. Um diesen Unterschied zu sehen und vor allen Dingen auch zu verstehen, muss man wirklich kein Genie sein. Nur die Scheuklappen müssen weg.

Solidaritätsveranstaltung für Israel in Düsseldorf vor dem Rathaus. Es ist in diesen Tagen nicht ungefährlich, die Zeichen des Staates Israel offen zu zeigen. Es muss mit Übergriffen seitens pro-palästinensischer Demonstranten gerechnet werden (Foto: B. Glumm)

Solidaritätsveranstaltung für Israel in Düsseldorf vor dem Rathaus. Es ist in diesen Tagen nicht ungefährlich, die Zeichen des Staates Israel offen zu zeigen. Es muss mit Übergriffen seitens pro-palästinensischer Demonstranten gerechnet werden (Foto: B. Glumm)

Was auf Deutschlands Straßen derzeit passiert, ist eine Schande für den aufgeklärten Rechtsstaat. „Kindermörder Israel“ zu skandieren ist sicherlich vom Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt. Dass es selten dämlich ist, muss ich hier nicht weiter ausführen. Vor allem aber zeigt es eine Geisteshaltung von Bevölkerungsgruppen, die in unserer Demokratie leben, die wirklich Sorgen bereiten sollte. Zeigt ein Mensch auf einer dieser Demonstrationen eine israelische Flagge, dann muss er um Leib und Leben fürchten. Die Polizei war auf vielen der in diesen Wochen durchgeführten Demos maßlos überfordert. Weil sie nicht damit umzugehen wusste? Weil sie falsch beraten war? Man weiss es nicht und wird es wahrscheinlich auch nicht erfahren. Und sind wir ehrlich: Wenn irgendwo auf einer Demo von Neonazis ein paar Skinheads „Juden ins Gas“ skandieren würden, dann würde die Polizei mit aller Berechtigung zuschlagen. Tauchen 1.000 oder mehr arabischstämmige Demonstranten auf, deren aggressives und martialisches Auftreten allein schon Angst und Schrecken verbreitet, dann knickt die deutsche Polizei widerstandslos ein. Wie in Frankfurt geschehen, als man aus Gründen der Deeskalation den Gaza-Freunden einen Einsatzwagen überlies und die Nutzung des Lautsprechers erlaubte. So tönte dann „Kindermörder Israel“ aus einem Fahrzeug der Frankfurter Polizei. Absurd und ein Armutszeugnis für den pluralistischen Rechtsstaat. Wie weit ist die deutsche Exekutive bereit zu gehen, um zu deeskalieren? Vor allem aber: Wann ist der Zeitpunkt gekommen, an dem das keinen Sinn mehr macht und man endlich das Gesetz zur Anwendung bringt? Wie weit kann man sich verbiegen? Diese Fragen muss man sich stellen. Diese Fragen muss sich die Polizei gefallen lassen.

Das Feuilleton erregt sich über den so genannten „Gauchotanz“ der deutschen Fußballweltmeister. Wird in Berlin ein israelisches Ehepaar angegriffen, weil der Mann eine Kippa auf dem Kopf trägt, dann ist das weniger berichtenswert. Skandieren in Berlin Israelgegner „Jude, Jude, feiges Schwein. Komm heraus und kämpf allein“, dann provoziert das eine nicht annähernd so betroffene und aufgeregte mediale Resonanz, wie es der lächerliche „Gauchotanz“ geschafft hat. Umso substanzloser der Vorwurf aus den Redaktionen, dass der Tanz der deutschen Fußballer das internationale Ansehen Deutschlands beschädigt hätte. Hier zeigt sich sehr deutlich, wo das Herz des deutschen Journalisten wirklich schlägt. Bigott und abstoßend! Es ist unaufrichtig sich über diese Eruption an Judenhass zu wundern, wenn man gleichzeitig so berichtet, wie es viele Medien tun. Dennoch muss man sich die gesellschaftliche Frage stellen, warum Heranwachende oder junge Erwachsene (meist Migranten) einen derartigen Hass auf ihre jüdischen Mitmenschen entwickeln können, den man eigentlich längst überwunden glaubte. Dass das nur die Spitze des Eisberges ist, bleibt vielfach unerwähnt. Seiner Vorstellungskraft darf man es überlassen, wie vor allem arabische und türkische Eltern zu Hause über Israel und Juden reden, was in den Moscheen wirklich gepredigt und was via Satellit in die Wohnzimmer aus arabischen Fernsehsendern übertragen wird. All das sind Fragen, die unbeantwortet bleiben. Meist werden sie in diesem Zusammenhang auch gar nicht erst gestellt. Ein abstoßendes Beispiel, das mitgeschnitten wurde, spielte sich allerdings jüngst in einer Moschee in Berlin-Neukölln ab:

Was bleibt sind sehr viele Fragezeichen. Dass mit den Islamisten auch rechtsradikale Demonstranten marschieren, liegt in der Natur der Sache bzw. der Judenfeindschaft. Dass sehr viele Linksgerichtete in den Palästinensern und deren Sache ein mehr als schützenswertes und unterstützenswürdiges „Projekt“ sehen, überrascht immer wieder. Da können die islamischen Hardliner in Gaza und anderswo noch so radikal sein, die Linke unterstützt das. Hauptsache es geht gegen Israel. Den Judenknacks haben viele Linke genauso, wie ihn viele Rechte haben. Je weiter man nach links driftet, man kommt irgendwann rechts wieder raus. In diesem Zusammenhang sollen allerdings die beiden Linke-Politiker Bodo Ramelow und vor allem Katharina König nicht unerwähnt bleiben. Beide fanden vollkommen gegen den antisemitischen Trend in ihrer Partei die richtigen Worte zum Auftritt auch ihrer Parteifreunde. Leider hat so etwas heutzutage eher seltenheitswert.

Besonders erschreckend sind für mich die Masse an antisemitischen Äußerungen in den sozialen Netzwerken. Egal wohin man schaut, es finden sich überall vor allem türkischstämmige Jugendliche, die maßlos gegen Israel und Juden hetzen, die den Propagandamist der Hamas nachplappern, die einem Todenhöfer zujubeln und ein Palästina fordern, in dem Israel nicht mehr vorkommt. Wie man diesen jungen Menschen beikommen will, ist eine der Herausforderungen, der man sich seitens der Politik stellen muss. Denn von Einzelfällen kann hier längst keine Rede mehr sein. Voraussetzung aber ist, dass man sich dieser Entwicklung überhaupt stellen will! Man kann nicht nur gegen rechtsradikale Umtriebe ankämpfen und derartige Projekte monetär unterstützen. So sehr das sicherlich in manchen Regionen vonnöten ist. Viele Politiker neigen gerade bei solchen Aktionen dazu, sich immer wieder selbst in Szene zu setzen.  Dabei nehmen sie diese „neuen“ antisemitischen Entwicklungen oft tatenlos und schulterzuckend (weil Migranten maßgeblich involviert) zur Kenntnis. Hier besteht ganz viel Nachholbedarf und ein Umdenken ist nötig.

Bewundernswert sind die vielen Solidaritätsveranstaltungen für Israel, die ebenso in fast allen deutschen Großstädten stattfinden. Inzwischen gehört Mut dazu, sich zu den pro-israelischen Demonstranten zu gesellen und für den Staat Israel und seine Menschen zu demonstrieren. Es lebt sich gefährlich. Erst recht, wenn parallel eine Demo der Gaza-Freunde stattfindet. Ist die Polizei vorbereitet und willens, dann kann das gut gehen. Ist sie es nicht, muss man mit Übergriffen rechnen. Aber die Feuilletonisten seien beruhigt. Das Ansehen Deutschlands wird schon nicht beschädigt werden. Falls sie das in dem Zusammenhang überhaupt interessiert. Denn auch in Frankreich und anderen Ländern finden antisemitische Ausschreitungen statt, deren Zustandekommen man in einem Rechtsstaat nur schwer für möglich gehalten hätte. Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch.

Fotos und Text von Bastian Glumm

Kleiner Nachtrag:

Jetzt ist auch in Solingen eine antiisraelische Demo angemeldet. Bis zu 2.000 Teilnehmer werden erwartet. Dazu der Bericht des ST, man beachte die teils entlarvenden Leserkommentare: Gaza-Demo in der Innenstadt

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