Überstürzte Flucht aus Jerusalem

Die Straßenbahn in Jerusalem hat Vor- und Nachteile. Einer der großen Vorteile ist beispielsweise, dass sie nur eine einzige Linie bedient. Denn mehr gibt es in Jerusalem noch nicht. Also kann man sich nicht groß vertun und eigentlich auch nicht verfahren. Einer der Nachteile ist, dass die Bahn zu manchen Uhrzeiten derart überfüllt ist, dass ich lieber zu Fuß meinen Weg durch die Heilige Stadt gesucht habe. Überfüllung und nur eine Linie dürften hier kausal zusammenhängen. Als ich mir auf dem Herzlberg die Gräber der großen israelischen Staatenlenker angeschaut habe, kam ich dort aber bestens mit der Straßenbahn hin.

Vor einigen Jahren habe ich Yad Vashem besucht und damals den Herzlberg noch ausgelassen. Obwohl dieser direkt neben der Holocaust-Gedenkstätte liegt. Jetzt bin ich ganz gezielt nur zum Mount Herzl gefahren. Auf der Anlage war ich zunächst ganz alleine, als ich vor den Gräbern von Golda Meir und Yitzhak Rabin stand. Auch am Grab des großen Theodor Herzl hatte ich den gesamten Vorplatz für mich. Diesbezüglich habe ich ja öfters mal Glück. Auch vor einigen Jahren, als ich in Ammunition Hill meine Runden drehte, war ich der einzige Besucher der Gedenkstätte. Auf dem Herzlberg schaute ich mich ausführlich um und besuchte auch den großen Soldatenfriedhof, auf dem die Gefallenen der verschiedenen israelischen Waffengänge begraben liegen. Ins Museum kam ich leider nicht, da man mir am Eingang erklärte, dass dieses nur für Gruppen mit Anmeldung sei. Schade. Später strömten dann unzählige Soldaten und auch Schulkinder auf das Gelände, um dort offensichtlich etwas über die Geschichte ihres Landes zu lernen.

Das Grab von Theodor Herzl auf dem Herzlberg. Wie so oft hatte ich morgens als einiziger Besucher die ganze Gedenkstätte für mich alleine. Solche Momente genieße ich immer ganz besonders, da man so seine Sinne auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren kann (Foto: B. Glumm)

Das Grab von Theodor Herzl auf dem Herzlberg. Wie so oft hatte ich morgens als einziger Besucher die ganze Gedenkstätte für mich alleine. Solche Momente genieße ich immer ganz besonders, da man so seine Sinne auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren kann (Foto: B. Glumm)

Da ich tags zuvor kein Hummus im Abu Shukri bekam (war zu) und ins erheblich schwächere Bastis ausweichen musste, machte ich mich also anschließend noch einmal auf den Weg in die Altstadt. Jerusalem ohne Hummus im Abu Shukri geht für mich einfach nicht. Mit der Straßenbahn kommt man problemlos hin. Beim Damaskustor muss ausgestiegen werden und man folgt einfach dem Weg durchs Tor in die Altstadt. Irgendwann taucht das Abu Shukri schon auf der linken Seite auf. Mahlzeit. So habe ich die ersten Tage meiner Israel-Reise in diesem Jahr recht locker in Jerusalem verbracht. Fühle mich dort längst zuhause und komme problemlos klar. Das dachte ich zumindest. Nach drei Nächten kam dann Sophie dazu und wir begrüßten uns morgens beim Frühstück im Abrahams Hostel. Wir haben uns danach sofort auf den Weg zur Hertz Autovermietung gemacht, um unseren Leihwagen für diese Reise abzuholen. Das klappte alles bestens. Irgendwann hat man ja in bestimmten Dingen gewisse Routine.

Aber jetzt offenbarte sich mit aller Brutalität ein schwerer Planungsfehler meinerseits. Als wir in der Tiefgarage den Wagen übernahmen und der freundliche Herr uns alles zeigte, wies er mich noch darauf hin, dass ja abends Jom Kippur anfangen würde und das Autofahren in Jerusalem sei dann nicht mehr gestattet. Sollte man trotzdem fahren, dann könnte es passieren, dass Orthodoxe mit Steinen werfen. Verdammt, daran hatte ich nicht gedacht. Und jetzt hatte ich den Salat. Was tun? Trotzdem mit dem Auto fahren? Denn eine Nacht hatten wir in Jerusalem noch. Wir hätten dann am nächsten Morgen auschecken und uns den Tag bis zum Sonnenuntergang irgendwie vertrödeln müssen. Blöd, weil wir dann erst bei Dunkelheit in Metzoke Dragot ankommen würden. Andererseits wären wir mit dem Auto sowieso nicht mehr rausgekommen, da bei Jom Kippur die Straßen voller Menschen sind. Undenkbar. Und das Abrahams Hostel ist mitten drin im westlichen Jerusalem und ziemlich nah am orthodoxen Mea Shearim. Also erstmal ins Auto gesetzt und ab zur Altstadt. Sophie sollte ja immerhin noch der Kotel und der Grabeskirche ihre Aufwartung machen. Wenigstens brauche ich In Jerusalem kein Navi mehr und finde meinen Weg auch so. Beruhigend.

Während wir so durch das alte Jerusalem schlenderten – das Auto hatte ich am Berg Zion abgestellt – , haben wir uns schließlich darauf geeinigt, es anders zu versuchen. Wir hatten ja zum Glück noch Zeit. Also erstmal zurück zum Hostel. Auf dem Parkplatz nebenan die Kiste für zwei Stunden (20 Schekel) abgestellt. Und an der Rezeption den Jungs dann begreiflich gemacht, dass wir gerne jetzt schon auschecken würden und dafür in Metzoke Dragot anstatt einer, doch lieber zwei Nächte absteigen möchten. Einer der beiden Herren am Tresen sprach Hebräisch und rief in Metzoke im dortigen Hostel an. Nach einigem Blabla hat er dann jemanden erreicht der uns wissen ließ, dass wir kommen könnten. Auch für zwei Nächte. Aber dann auch bitte sofort. Das ließen wir uns nicht zweimal sagen. Innerhalb von zehn Minuten hatte ich mein Gerümpel zusammengepackt. Schnell noch ein paar Snacks und Getränke nebenan gekauft und ab ging die Reise. Keine 20 Minuten nach dem Anruf saßen wir im Auto und befanden uns auf der Flucht. Auf der Flucht aus Jerusalem. Ich war mir der grotesken Situation in diesem Moment sehr wohl bewusst. Sonst kann ich ja nicht schnell genug in Jerusalem sein. Und gerade jetzt hatte ich keine Zeit mehr und musste doch so schnell raus, solange man noch mit dem Auto fahren konnte. Jom Kippur, der höchste jüdische Feiertag. An ihm wäre ich fast gescheitert. Daraus habe ich meine Lehren gezogen.

Ich liebe den Weg zum Toten Meer. Wie sich die Landschaft rasant verändert von urbaner Bebauung und vielen Grünflächen in die bekannte und so geliebte beigegelbe Wüstenlandschaft. Dieser Übergang ist binnen weniger Minuten abgeschlossen. Als wir die Straße zum Toten Meer hinunter fuhren war unübersehbar, dass sich schon jetzt am frühen Nachmittag die Straßen leerten. Nur noch wenige Autos kamen uns entgegen oder überholten uns. Auch an der kleinen Raststätte auf Höhe des Meeresspiegels war nichts los. Die Beduinen hatten ihre Buden längst abgebaut und ihr Kamel mit nach Hause genommen. Weiter unten hatten auch schon alle Restaurants geschlossen und selbst auf dem Parkplatz von Kalia Beach am Toten Meer wartete kein Reisebus mehr. Metzoke Dragot ist ein wenig abgelegen und nicht direkt an der Hauptstraße nach Süden. Direkt vor einem Checkpoint der Armee schlängeln sich Serpentinen bergauf. Rund fünf Kilometer fährt man jetzt nach oben, bevor man vor dem Tor von Metzoke Dragot steht. Man sieht der Anlage direkt an, dass es sich bei ihr um ein ehemaliges Kibbutz handelt. Überall stehen Unterkunftsgebäude, die fast alle wunderbar renoviert und hergerichtet wurden. Wie in einem Kibbutz üblich, begibt man sich zum Essen in einen Speisesaal. Draußen gibt es Wassertanks, die an elektrisch gekühlten Speisern Trinkwasser abgeben. Im hinteren Teil des großzügigen Geländes stehen die großen Beduinenzelte. Wer mag, darf dort ganz rustikal-romantisch im Zelt auf dem Teppich nächtigen. Auch kleinere Zelte stehen für Besucher parat.

Die Terrasse vor unserem Bungalow. Achmed brachte uns hier morgens das Frühstück. Und hier unterhielt ich mich nachts mit den Soldaten der Israelischen Armee (Foto: B. Glumm)

Die Terrasse vor unserem Bungalow. Achmed brachte uns hier morgens das Frühstück. Und hier unterhielt ich mich nachts mit den Soldaten der israelischen Armee (Foto: B. Glumm)

Als wir ankamen, hat uns der freundliche Herr an der Rezeption bereits erwartet. Und kein Wunder eigentlich, dass alles so reibungslos von statten ging. War das Hostel doch nur von sehr wenigen Gästen besucht und es gab genug Platz auch für zwei oder mehr Nächte. Ein paar israelische Familien, einige Drusen in den Zelten und eine Familie aus der Schweiz konnte ich ausmachen. Inzwischen wurde es Nachmittag und Jom Kippur legte fast ganz Israel lahm. Die Menschen feierten ihren Versöhnungstag. In Metzoke Dragot erklärte uns der Mann an der Rezeption, dass all das nicht für seine Region am Toten Meer gelte. Man dürfe hier problemlos mit dem Auto fahren und auch an den Stränden baden, wenn man wollte. Als ich ihn fragte, wie es denn mit einem Abendessen ausschauen würde und wo man jetzt noch was bekommen könnte, fing der gute Mann an zu überlegen. Er meinte dann aber, dass der Koch des Hostels für uns sicher noch eine Kleinigkeit hinbekommen könnte. Wir sollten gegen 18 Uhr einfach mal im Speisesaal reinschauen. Das hörte sich ganz gut an. In der Zwischenzeit bezogen wir unseren Bungalow, der etwa in der Mitte des Geländes stand. Auf dem Hostelgelände wohnt auch ein kleiner Spitz. Dieser scheint ursprünglich ein weißes Fell gehabt zu haben, hat sich aber rein optisch inzwischen längst der Wüste angepasst und ist jetzt eher dunkelgelb. Als hätte er es verstanden, tollte er zunächst in der Rezeption rum, bis wir unseren Schlüssel bekamen. Wir sind dann mit dem Auto hoch zum Bungalow. Und vor unserer Tür wartete schon hechelnd und freundlich – der kleine Spitz. Faszinierend.

Der Blick von unserem Bungalow in Metzoke Dragot auf das Tote Meer war atemberaubend. Die Berge Jordaniens spiegeten sich auf der stillen Oberfläche des Toten Meers (Foto: B. Glumm)

Der Blick von unserem Bungalow in Metzoke Dragot auf das Tote Meer war atemberaubend. Die Berge Jordaniens spiegelten sich auf der glatten und vollkommen ruhigen Oberfläche des Toten Meers (Foto: B. Glumm)

Der Blick über das Tote Meer ist von Metzoke Dragot wirklich atemberaubend. Als wir am späten Nachmittag oben unser Quartier bezogen, war das Wasser des Toten Meers so still und glatt, dass sich die jordanische Berglandschaft gegenüber auf dem See spiegelte. Ein einzigartiges Bild. Die satten Farben, dieses Ocker, Beige und warme Gelb, strahlten ganz besonders in den Abendstunden. Dazu im Kontrast der blaue Salzsee weiter unten. Jetzt war ich glücklich und froh, dass wir hier zwei Nächte absteigen dürften. Auch wenn ich die eine Nacht in Jerusalem nicht mehr erstattet bekam. In Metzoke Dragot habe ich mich von der ersten Minute an verliebt. Die ganze Anlage hat was Rustikales und ist gleichzeitig sehr gepflegt. Es ist alles sehr ruhig und unaufgeregt. Dass der Punkt so abgelegen ist, verleiht der ganzen Sache sogar einen Hauch von Abenteuer. Einfach toll! Selbst W-Lan gibt es. Dazu muss man sich mit seinem Laptop allerdings in unmittelbarer Nähe des Rezeptionsgebäudes aufhalten. In den Abendstunden versammelten sich genau dort immer mehrere Leute mit ihren Smartphones und Netbooks. Neue Zeiten.

Kurz vor 18 Uhr machten wir uns auf den Weg in den Speisesaal. Dort war ein Tisch nur für uns alleine gedeckt. Ich erwartete, dass man uns eine tiefgekühlte Pizza servierte und wäre damit auch hochzufrieden gewesen. Als der Koch und Achmed – die gute Seele des gesamten Hostels – dann aber anfingen aufzutischen, wurde ich ganz demütig. Arabische Köstlichkeiten in vielen kleinen verschiedenen Tellern wurden uns vor die Nase gesetzt. Wir waren absolut begeistert! Dieser Tag fing mit Missverständnissen und viel Stress an und endete jetzt dermaßen versöhnlich. Wir schlugen uns den Magen voll und ich vergaß, dass das hier ja nur die Vorspeise ist. Gefüllte Weinblätter, eingelegtes Gemüse, Salat in allen Variationen. Denn jetzt kamen noch die gebackenen Kartoffeln, das Hühnchen und die köstlichen Lammbällchen. Den Fisch nicht zu vergessen. Ein kulinarisches Highlight. Von wegen Tiefkühlpizza. Was für ein rundum gelungener Tag. Und was für eine tolle Unterkunft. So selig ging der Tag dann auch zeitig zu Ende. Denn in der Wüste wird es ziemlich früh dunkel im Oktober.

Das Essen im Hostel Metzoke Dragot ist wirklich fantastisch. Was der Koch uns abends auf den Tisch zauberte, das suchte seinesgleichen. Und gerechnet hatten wir mit einem so üppigen Mahl auch nicht (Foto: B. Glumm)

Das Essen im Hostel Metzoke Dragot ist wirklich fantastisch. Was der Koch uns abends auf den Tisch zauberte, suchte seinesgleichen. Und gerechnet hatten wir mit einem so üppigen Mahl auch nicht (Foto: B. Glumm)

Morgendlicher Besuch an unserem Bungalow. Dieser prächtige Steinbock schaute vorbei und hielt zwar Abstand, war aber an Menschen gewöhnt. Zahlreiche seiner Artgenossen leben auf oder um Metzoke Dragot (Foto: B. Glumm)

Morgendlicher Besuch an unserem Bungalow. Dieser prächtige Steinbock schaute vorbei und hielt zwar Abstand, war aber an Menschen gewöhnt. Zahlreiche seiner Artgenossen leben auf oder um Metzoke Dragot (Foto: B. Glumm)

Am nächsten Morgen brachte uns Achmed unser Frühstück auf die Terrasse vor unserem Bungalow. Es war ja Jom Kippur und da war der Speisesaal geschlossen. Ein sehr schöner Service. Der Spitz besuchte uns natürlich auch. Ebenfalls unsere israelischen Nachbarn, die zwei Türen weiter wohnten. Aber wir bekamen an diesem Vormittag noch mehr Besuch. Ein majestätischer Steinbock drehte seine Runden auf dem Gelände und kam ganz nah an die Terrasse heran. Ein wirklich sensationeller Anblick und ein prächtiges Tier mit stolzem Geweih. Mir schien, dass er regelmäßig kommen würde. Er hielt zu den Menschen einen Sicherheitsabstand. War aber auch nicht wirklich scheu. Und er wusste auch genau, wo er die Tonne mit Regenwasser fand, um ein Schlückchen zu nehmen. Danach haben wir uns ins Auto gesetzt und sind nach Ein Gedi gefahren. Ein wenig im Toten Meer rumplanschen. Auf dem Weg dorthin begegnete uns nicht ein einziges anderes Auto. Das war fast schon unheimlich. Nach knapp 20 Minuten waren wir schon da. Immerhin waren wir nicht die einzigen Gäste in Ein Gedi Beach. Dort war es sogar richtig lebendig. Zahlreiche Leute hatten hier sogar ihr Zelt aufgeschlagen und direkt am Toten Meer genächtigt. Das ist in Israel überhaupt nichts Ungewöhnliches. Sich im Toten Meer ein wenig treiben zu lassen macht immer wieder Spaß. Und entspannt so schön. Aber man muss auch mit den knackigen Temperaturen umgehen. Ich habe mir an jenem Tag einen ordentlichen Sonnenbrand auf dem Rücken zugezogen und mich in En Bokek dann so richtig verbrannt. Hellere Hauttypen sollten also unbedingt vorsichtig sein.

Nach einigen Stunden haben wir uns zurück auf den Weg nach Metzoke Dragot gemacht. Zu Fuß haben wir dann noch die nähere Umgebung um die Anlage erkundet. Für Wanderer ist die ganze Gegend ein echtes El Dorado. Die schroffe Wüste schaut zwar auf den ersten Blick unerschlossen aus. Was sie auch ist. Aber es gibt immer ausgezeichnete Wege, empfohlene Routen und entsprechende Landkarten. Wenn man sich daran orientiert, kann nicht nur nichts passieren, sondern auch echter Spaß aufkommen. Mir macht die Wüste – besonders die Judäische – immer wieder aufs Neue ganz große Freude. Zurück im Hostel habe ich meine inzwischen leeren Wasserflaschen mit Trinkwasser gefüllt und wir haben überlegt, wie wir den Abend verbringen können. Da Jom Kippur mit Sonnenuntergang vorbei war schlug ich vor, dass wir zurück in Richtung Jerusalem fahren. Kurz bevor es den Berg wieder hoch geht gibt es nämlich ein paar Restaurants. An der Stelle, wo Beduinen ihre Töpferwaren und anderen Tand verkaufen. In der Dunkelheit sind wir also wieder zurück und haben tatsächlich ein arabisches Restaurant gefunden, das auch geöffnet hatte.

Ein paar nette Israelis übersetzten für uns und den Kellner, denn der verstand nur Arabisch und Hebräisch. Am Ende hat es dann aber doch gepasst, es war gut und lecker und wir kamen zeitig zurück zum Hostel. Direkt neben der Anlage hat die Armee einen kleinen Stützpunkt, der offensichtlich zum Checkpoint weiter unten an der Straße gehört. Als ich längst im Reich der Träume war, hörte ich es bei uns an der Tür klopfen. Es war Mitternacht. Vor der Tür stand eine Gruppe israelischer Soldaten in voller Kampfausrüstung. Angeführt wurde sie von einem höheren Offizier. Entweder Major oder Oberstleutnant. Ich konnte seine Schulterklappen ohne Brille und im schlechten Licht nur eingeschränkt sehen, da auch der Trageriemen seiner Uzi darüberlag. Auf das Gelände sei wohl ein Unbefugter eingedrungen. Und wie lange wir schon wieder hier seien. Ist das unser Auto, was da hinten stehen würde? Das ging ein paar Minuten so. Als der Offizier sicher war, dass wir hier rechtmäßig anwesend waren, entschuldigte er sich für die Störung und suchte mit seinen Truppen weiter das Gelände ab.

Metzoke Dragot liegt abgelegen im Hügelland oberhalb des Toten Meers. Bis zur Zivilisation ist eine kleine Weile. Rund fünf Kilometer fährt man über Serpentinen, um überhaupt zur Straße nach Jerusalem zu kommen. Für Wanderer ist die ganze Gegend ein Leckerbissen (Foto: B. Glumm)

Metzoke Dragot liegt etwas abgelegen im Hügelland oberhalb des Toten Meers. Bis zur Zivilisation ist man eine kleine Weile unterwegs. Rund fünf Kilometer fährt man über Serpentinen, um überhaupt zur Straße nach Jerusalem zu kommen. Für Wanderer ist die ganze Gegend ein Leckerbissen (Foto: B. Glumm)

Es war jetzt ordentlich was los draußen. Der Spitz bellte ununterbrochen und die Armee drehte mit geschätzten 40 Soldaten und mehreren Fahrzeugen das gesamte Areal auf links. Um kurz nach zwei Uhr morgens klopfte es wieder an der Tür. Diesmal standen vier IDF-Zwerge vorm Eingang, die mir bis zur Brust gingen. Trotz Stahlhelmen auf den Köpfen. Diesmal ausschließlich Mannschaftsoldaten. Ich war selbst lange genug bei der Truppe, um so etwas auch bei fremden Armeen erkennen zu können. Der Anführer der vier Jungs sprach mich auf Hebräisch an. Ich bedeutete ihm „English please“. Ob bei uns alles in Ordnung sei und uns was fehlen würde. Das fand ich großartig. Wahrscheinlich wird sie ihr Vorgesetzter einfach nur noch mal geschickt haben um zu checken, ob wir noch da waren und doch nicht die möglichen Gesuchten sein könnten. Trotzdem fand ich das stark. Die Armee hat sich in jener Nacht sehr korrekt verhalten. Sie präsentierten sich sehr professionell und direkt aber niemals unfreundlich. Das hat mir imponiert. Ob letztlich wirklich jemand unrechtmäßig eingedrungen ist, konnte ich nicht mehr in Erfahrung bringen. Ich hatte die Vermutung, dass da bestimmt irgendwas war und das wurde dann ordentlich aufgeblasen, so dass die Truppen auch einmal was zu tun haben. Ohne es besser zu wissen hatte ich nämlich den Eindruck, dass der Dienst an diesem Checkpoint lockererer sein kann, als wie beispielsweise in Hebron. Das ist aber nur meine persönliche Wahrnehmung.

Der nächste Morgen war ein unausgeschlafener Morgen. Denn still wurde es erst so gegen vier Uhr morgens. Nach dem Frühstück haben wir uns auf den Weg gemacht in Richtung Yahel. Dazu mehr in der nächsten Geschichte.

Text und Fotos von Bastian Glumm – Alle Rechte vorbehalten

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2 Antworten to “Überstürzte Flucht aus Jerusalem”

  1. glumm Says:

    make hummus fur glumms! schön aufgezeichnet. man spürt die hitze rund ums tote meer.

  2. Zeilentitan Says:

    Eine vollkommen legitime Forderung, die ich hier mit allem Nachdruck unterstreiche! Make more Hummus for Glumm(u)s! Habe noch einige schöne Geschichten bei mir im Oberstübchen gelagert von dieser Reise. Aber man kommt ja zu nix 😉

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