Israel 2014: Von Yahel nach Mitzpe Ramon

Als ich im vergangenen Jahr in Einot Tzukim sehen konnte, wie weit sich das Tote Meer in den letzten Jahrzehnten zurückgezogen hat, war ich echt baff. An einer Stelle haben die Parkbetreiber ein Schild aufgestellt, auf dem die Jahreszahl 1984 zu lesen ist. Daneben unverkennbar eine kleine Rampe, auf der man seinerzeit in den Salzsee steigen dürfte. Aber wo ist das Tote Meer hin? Man muss schon genau hinschauen, um es in dieser Süßwasseroase in der Judäischen Wüste zwischen Schilf und Palmen einige Hundert Meter weiter hinten zu entdecken. Wirklich erschreckend. Ist dieser Anblick ansich schon besorgniserregend, ist der fallende Pegel des Toten Meeres beim Baden echt lästig. Ob nun in Ein Gedi, in Kalia Beach oder anderswo: bis man am Ufer ist, muss man teilweise klettern, sich gut festhalten und balancieren. Für ältere Leute nicht einfach!

Als wir im Oktober nach einer unruhigen Nacht Metzoke Dragot in Richtung Kibbutz Yahel verließen, wollten wir dem Toten Meer auf jeden Fall noch einen kurzen Planschbesuch abstatten. Unser Weg führte uns ja ohnehin nach Süden, so dass wir nach knapp einer halben Stunde Fahrt einen Zwischenstopp in En Bokek machten. Diesen Touristenort kannte ich bis dahin auch nur von der Durchfahrt. En Bokek ist im Grunde genommen eine Ansammlung von Bettenburgen. Das Publikum ist dabei durchaus international, allerdings waren auch hier die russischen Gäste in massiver Überproportion zugegen. Das Tote Meer ist kein zusammenhängender See mehr. Der größere Teil des Salzmeeres ist im Norden zu finden. Der kleinere See ist im Süden. Und dort am Ufer befindet sich En Bokek. Der Clou: Anders als an anderen Einstiegstellen kommt man in En Bokek ebenerdig ins Meer. Ganz bequem und ohne klettern zu müssen. Außerdem hat man am Ufer fast schon einen Sandstrand.

Ohne zu klettern, zu rutschen und zu kraxeln ins Tote Meer? Das geht! Hier in En Bokek ist es ganz besonders bequem. Das Wasser hat Badewannentemperatur und die Sonne brät gewaltig. Hut und Sonnencreme nicht vergessen (Foto: B. Glumm)

Ohne zu klettern, zu rutschen und zu kraxeln ins Tote Meer? Das geht! Hier in En Bokek ist es ganz besonders bequem. Das Wasser hat Badewannentemperatur und die Sonne brät gewaltig. Hut und Sonnencreme nicht vergessen (Foto: B. Glumm)

Eine gut 43 Grad trockene Hitze fabrizierende Sonne hat mir an jenem Vormittag den Rücken dann endgültig verbrannt. Aber an dieser Stelle in En Bokek hat das Tote Meer sprichwörtlich Badewannentemperatur. Sehr zu empfehlen. Als wir unsere Vorräte wieder aufgefüllt hatten, machten wir uns weiter auf den Weg in Richtung Süden. Die Hauptstraße durch die Wüste, die an gottverlassenen Stellen stärker befahren ist, als man für eine solche Einöde eigentlich erwarten würde, zog sich streckenweise wie ein Lineal durchs Land. Während ich mich darauf konzentriert habe, stets artig geradeaus zu fahren und möglichst Galgalatz im Autoradio zu behalten, hatte Sophie auch stets ein Auge für den Reiseführer übrig. Und so kam es also, dass wir an einer höchst interessanten Gesteinsformation rechts ran fuhren. Aha, Sodom. So schaut es also aus. Der Ort, an dem Lots Frau zur Salzsäule erstarrte, als sie noch einen Blick auf das zerstörte Sodom warf. Sie scheint eine ausgewachsene Matrone gewesen zu sein, denn die Salzsäule in Sodom ist vielmehr ein wuchtiger Salzberg.

Sodom. Ein Berg, der aus über 80 Prozent Salz besteht. Und eine Höhle, die einsturzgefährdet ist und doch von Besuchern ungeniert betreten wird. So biblisch belastet dieser Ort sein mag, so unspektakulär präsentiert er sich in Wirklichkeit (Foto: B. Glumm)

Sodom. Ein Berg, der aus über 80 Prozent Salz besteht. Und eine Höhle, die einsturzgefährdet ist und doch von Besuchern ungeniert betreten wird. So biblisch belastet dieser Ort sein mag, so unspektakulär präsentiert er sich in Wirklichkeit (Foto: B. Glumm)

Geht man näher an den Berg heran, dann kann man sehr gut erkennen, dass das Gestein zu einem hohen Prozentsatz von Salzadern durchzogen ist. Mehr als 80 Prozent Salz sollen es sein, die diesem Berg die Form geben. Was man freilich nur von nahem sehen kann. Auch eine Höhle gräbt sich tief in den Berg, vor deren Betreten Schilder jedoch nachdrücklich warnen. Einsturzgefahr! Das hielt die vor allem muslimischen Besucher der Höhle jedoch nicht ab, diese ausgiebig zu erkunden. Denn nicht nur wir waren an jenem Tag zur Mittagszeit in Sodom. Offensichtlich spielt diese alttestamentarische Geschichte auch im Koran eine wichtige Rolle. Mitten in der Wüste steht dort auch ein großes Salzwerk. Ich habe mich gefragt, woher die Arbeiter kommen. Denn echte Siedlungen gibt es im gesamten Umkreise keine, wenn man von den Behausungen der Beduinen absieht. Wir fuhren weiter nach Süden. Die Landschaft verändert sich in dieser Wüste ständig und bietet zerklüftete Bergkulissen und kahle Landstriche mit ausgetrockneten und lange abgestorbenen Bäumen gleichermaßen. Immer wieder eindrucksvoll.

Nach knapp zwei Stunden Fahrt kamen wir in Yahel an. Ein Kibbutz im Nirgendwo. Kommt man von Norden, dann liegt der eigentliche Kibbutz auf der rechten Seite. Links sieht man einen dichten Wald mitten in der Wüste. Dort haben die Kibbutzniks im Verlauf der letzten Jahre gepflanzt und ihre Art der Bewässerung perfektioniert. Das Ergebnis ist beeindruckend. Unterstützt wurden sie dabei vom Jüdischen Nationalfonds, der auch auf dem Kibbutzgelände auf der anderen Straßenseite diverse Projekte unterstützt. Als wir in Yahel ankamen, standen wir vor einem verschlossenen Tor. Also mussten wir eine Weile warten, bis jemand mit seinem Auto raus wollte und wir dann flott durchgerauscht sind. Das Kibbutz war bei unserer Ankunft wie ausgestorben. Keine Menschenseele war zu sehen. Wir mussten etwas suchen, bis wir das Rezeptionsgebäude auf dem weitläufigen Gelände gefunden haben. Denn zahlreiche Gästehäuser bietet das Kibbutz Yahel seinen Besuchern an. In der klimatisierten Rezeption war zunächst auch kein Mensch. Nach etwa einer halben Stunde tauchte dann aber doch eine sehr nette Dame auf, die uns willkommen hieß.

Die Gästehäuser im Kibbutz Yahel haben was von einer klassischen Reihenhaussiedlung. Die ganze Anlage ist sehr gepflegt und einladend. Von innen wie von außen (Foto: B. Glumm)

Die Gästehäuser im Kibbutz Yahel haben was von einer klassischen Reihenhaussiedlung. Die ganze Anlage ist sehr gepflegt und einladend. Von innen wie von außen (Foto: B. Glumm)

Jetzt konnten wir auch klären, wie wir den Rest des Tages verbringen. Denn ein kulinarisches Angebot gab es im Kibbutz für Besucher zumindest zu diesem Zeitpunkt nicht. Die freundliche Dame riet uns also, entweder ein paar Kilometer nach Norden zu fahren. Dort sei ein Restaurant. Oder eben die rund 60 Kilometer nach Süden – nach Eilat am Roten Meer. Obwohl ich keine große Lust mehr auf Autofahren hatte, einigten wir uns auf Eilat. Immerhin kenne ich mich dort ein wenig aus, verbrachte ich ja schon 2012 ein paar sehr angenehme Tage in Israels südlichstem Außenposten. Zunächst bezogen wir unseren Bungalow. Derer gibt es einige in Yahel, die ein wenig wie kleine Reihenhäuser anmuten. Alle sehr gepflegt mit kleiner Terrasse und in schicken Gärten gelegen. Wir waren nicht die einzigen Gäste. Mehrere der Häuser waren von Fernfahrern belegt. Und zwar von russischen, wie sich später am Abend herausstellte. Touristen oder westliche Besucher habe ich an diesem Tag in Yahel nicht gesehen. Bevor wir uns auf den Weg nach Eilat machten, habe ich dem Manager des Kibbutz einen kurzen Besuch abgestattet. Ich erkundigte mich über den Fortgang der Neubauten im Kibbutz, die maßgeblich vom Jüdischen Nationalfonds unterstützt werden. Leider gab es bis auf fertige Straßen und ein paar Fundamenten noch nichts zu sehen. Also auf nach Eilat.

Die Straße nach Süden war jetzt verhältnismäßig verkehrsreich. Es ist schon ein seltsames Bild, wenn man auf einer Landstraße mitten durch die Wüste fährt und das dann auch noch Stoßstange an Stoßstange. Nach etwas mehr als einer Stunde kamen wir am Stadtrand Eilats an. Den dortigen Checkpoint nahmen wir ohne Kontrolle und orientierten uns in Richtung „Northern Beach“. Ohne mich zu verfahren passierte ich das Hotelviertel – vorbei auch am Isrotel Agamim – und parkte zielsicher in der Nähe des Strands ab. Sophie nahm ein Bad im Roten Meer und ich kühlte mich dann lieber von innen mit einem Heineken ab. Eine kleine Runde haben wir entlang der Strandpromenade gedreht und uns in einem netten Restaurant direkt am Strand verköstigt. Da es langsam dunkel wurde, machten wir uns auf den Weg zurück nach Yahel. Im Kibbutz gibt es leider nicht in allen Bungalows W-Lan, weshalb man mit seinem Laptop in die Rezeption gehen muss. Dort trafen wir die russischen Fernfahrer wieder, die sich im Satellitenfernsehen über die Ereignisse in der Ukraine informierten. Wie die dahin kamen und ob das eingewanderte Russen waren, habe ich nicht rausbekommen.

Eilat hatte ich als Ziel während dieser Reise eigentlich gar nicht auf dem Plan. Und doch führte uns unser Weg in Israels südlichste Stadt am Roten Meer. Zumindest für einige Stunden. Hier der Blick auf die Berge Jordaniens (Foto: B. Glumm)

Eilat hatte ich als Ziel während dieser Reise eigentlich gar nicht auf dem Plan. Und doch führte uns unser Weg in Israels südlichste Stadt am Roten Meer. Zumindest für einige Stunden. Hier der Blick auf die Berge Jordaniens (Foto: B. Glumm)

Am nächsten Morgen gab es Frühstück. Und zwar in der Mall des Kibbutz. Direkt neben dem eigentlichen Haupteingang haben die Kibbutznik ein kleines Einkaufszentrum in die Wüste gesetzt. Mit Modegeschäften und Restaurants. Dazwischen ein künstlicher Teich mit plätscherndem Wasserspiel und Palmenhaine. Mitten in der Wüste, mitten im Nirgendwo. Typisch Israel! Vermutlich werden dort Besuchergruppen in Busladungen abgekippt und wieder eingesammelt. Anders konnte ich mir das Geschäftsmodell dort nicht erklären. An jenem Morgen waren wir die einzigen Besucher in dieser Mall. Bevor wir uns jetzt auf den Weg ins knapp 100 Kilometer entfernte Mitzpe Ramon machten, fuhren wir nach Chai Bar Jotvata, das einige Kilometer südlich von Yahel liegt. Im dortigen Nationalpark werden Wüstentiere gezüchtet, die in Israel zunehmend seltener werden. Wie immer, auch hier waren wir selbstverständlich die einzigen Gäste weit und breit und hatten das zwölf Quadratkilometer große Reservat ganz für uns alleine. An der Kasse empfing uns eine nette Dame aus Niedersachsen, die vor vielen Jahren Deutschland der Liebe wegen in Richtung Israel verließ. Man merkte der Deutschlehrerin deutlich an, dass Sie glücklich war, endlich mal wieder ein paar Muttersprachler aus Deutschland zu treffen. Quasselwasser eben.

Im Auto folgten wir der festgelegten Route auf dem Gelände, einer kleinen Safari nicht unähnlich. Zu sehen gab es zahlreiche Tierarten, die allerdings fast ausschließlich Siesta hielten. Kein Wunder bei über 40 Grad. Nur ein Vogel Strauß fühlte sich bedroht und ging zum Angriff auf unseren Honda über. Seine eher symbolische Pickerei hinterließ aber noch nicht mal eine Beule. Zum Abschluss schauten wir uns noch die kleineren Tiere an, die in Gehegen gehalten werden. Naja, klein ist relativ, da die Leoparden durchaus eine stattliche Größe hatten. Das galt freilich nicht für die farbenfrohen Vögel und die Spinnen sowie anderes Insektengetier. Jetzt konnten wir uns endlich auf den Weg nach Mitzpe Ramon machen. Ein Ort, den ich schon sehr lange auf meiner Liste hatte. Bereits Monate vorher hatte ich per AirBnb ein ganzes Haus am Ortsrand angemietet. Die Fotos waren vielversprechend und der Kontakt zum Vermieter Avital sehr freundlich. Ich freute mich sehr auf Mitzpe Ramon. Etwas mehr als 100 Kilometer hatten wir von Chai Bar aus zu fahren. Die Strecke führte uns jetzt einmal quer durch die Wüste Negev. Vorbei an sehr viel Militär und Truppenübungsplätzen und teilweise über serpentinenähnliche Straßen. Wir näherten uns Mitzpe Ramon von Südosten und sahen den kleinen Ort bereits von weitem am Kraterrand des Ramon Kraters.

Der Nationalpark Chai Bar Jotvata liegt rund 30 Kilometer ördlich von Eilat. Auf dem zwölf Quadratkilometer großen Areal werden bedrohte Arte gezüchtet. Hier eine arabische Oryxantilope (Foto: B. Glumm)

Der Nationalpark Chai Bar Jotvata liegt rund 30 Kilometer nördlich von Eilat. Auf dem zwölf Quadratkilometer großen Areal werden bedrohte Arten gezüchtet. Hier eine Arabische Oryxantilope (Foto: B. Glumm)

Oben angekommen besuchten wir zunächst das Informationszentrum am Kraterrand. Denn ich war mir nicht sicher, wo das Haus nun tatsächlich war. Ein freundlicher Orthodoxer, den ich in einer Wohnsiedlung fragte, konnte uns auch nicht weiterhelfen. Die nette Frau an der Information half uns dann, denn sie kannte sowohl das Haus, als auch Vermieter Avital. Dieser war leider nicht da und entschuldigte sich per SMS bei mir. Aber ein hilfsbereiter Nachbar würde uns empfangen. Also fuhren wir den kurzen Weg rüber zu unserem Wüstenhaus, das alle Erwartungen übertraf. Kurz nachdem wir ausgestiegen sind, ging im Nachbarhaus auch schon die Tür auf und ein junger Mann hieß uns in Mitzpe Ramon willkommen. Ein sehr schöner Empfang! Das Haus ist sehr geräumig mit einem Schlafzimmer, einem großen Wohn- und Essraum sowie einer großzügigen Küche. Rund um das Haus lädt ein rustikaler Garten zum Verweilen ein. Neben Zierpflanzen wachsen dort auch Früchte, die man ausdrücklich probieren darf. Bereits nach ein paar Minuten war ich mir sicher, dass dieses Haus eine gute Wahl und sein Geld wert ist. Als wir dann so langsam angekommen sind und es ruhiger wurde, kamen all die ganzen Katzen aus ihren Löchern und begrüßten uns. Straßenkatzen, Hauskatzen und sonstige Stubentiger haben es sich in Avitals Garten gemütlich gemacht. Katze Avner (eigentlich ja ein Jungenname) ist die uneingeschränkte Chefin im Haus und draußen. Sie hat sich einen kleinen Hofstaat bestehend aus zwei jugendlichen Miezen geschaffen, die ich Schlomo und Kackvogel getauft habe. Es war immer Halligalli im Haus und davor.

Katzen, Katzen und nochmals Katzen. Tierliebhaber werden sich in Avitals Haus in Mitzpe Ramon wohl fühlen. Rechts entspannt sich Chefin Avner. Links zwei kleine Kumpels von ihr, die auch ins Haus kommen. Draußen noch etliche Straßenkatzen mehr, die lieber im Garten bleiben (Foto: B. Glumm)

Katzen, Katzen und nochmals Katzen. Tierliebhaber werden sich in Avitals Haus in Mitzpe Ramon wohl fühlen. Rechts entspannt sich Chefin Avner. Links zwei kleine Kumpels von ihr, die auch ins Haus kommen. Draußen noch etliche Straßenkatzen mehr, die lieber im Garten bleiben (Foto: B. Glumm)

Als wir uns einigermaßen eingerichtet hatten, machten wir uns noch schnell auf den Weg in den örtlichen Supermarkt. Da traf ich den Orthodoxen von vorhin wieder, der mich schelmisch anlächelte und fragte, ob wir denn noch fündig geworden seien. Nicht minder schelmisch lächelnd bejahte ich seine Frage. Mitzpe Ramon wimmelt nur so von Soldaten. Diverse Stützpunkte der Armee befinden sich in unmittelbarer Nähe des Ortes. Entsprechend lebendig kann es im kleinen Stadtkern zugehen, wenn all die jungen Leute in Uniform dort ihre Freizeit verbringen. Abends suchten wir im nahegelegenen Gewerbegebiet nach einem ganz bestimmten Restaurant. Das ehemalige Gewerbegebiet wird heute von zahlreichen Künstlern, von Hotels und einigen gastronomischen Betrieben genutzt. Klassisches Gewerbe gibt es dort im Grunde nicht mehr. Der ganze Komplex strahlt aber durchaus einen herben Charme aus. Das Essen war übrigens sehr gut und preiswert. Allerdings darf man zumindest dort nicht allzu viel Luxus erwarten. In dem von uns besuchten Restaurant geht es nämlich eher rustikal zu. So etwas kommt mir aber durchaus entgegen. In der Wüste wird es früh dunkel und abends auch recht frisch. Deshalb sollte man sich nicht wundern, wenn man spätestens um 22 Uhr das Licht ausmacht und schläft. Wie mir andere Wüstenbesucher erzählten, ist das ganz normal. Und es fühlte sich auch nur am ersten Abend etwas seltsam an.

Frühstück am nächsten Morgen machten wir selbst. Die Miezekatzen natürlich mit von der Partie, die immer zutraulicher wurden. So langsam ließen sich die kleinen Racker sogar begrabbeln. Jetzt stand also unser erster Ausflug auf dem Programm. Wie gehabt war ich für das große Ganze zuständig und zog den weiten Rahmen der Reise. Sophie war wie immer die höchst zuverlässige Fachfrau für Detailfragen und kümmerte sich um die Tagesausflüge. Darüber war ich nicht unglücklich. Wir machten uns auf den Weg in den Ramon Krater. Dieser ist bis zu einem gewissen Punkt mit dem Auto befahrbar, allerdings muss man vorsichtig sein, denn bei den Zufahrtsstraßen handelt es sich eher um Schotterpisten. So haben wir für die Strecke von der Hauptstraße zum ersten Punkt im Kraterinneren gut 45 Minuten gebraucht. Und das für knapp fünf Kilometer. Aber lieber so, als mit gebrochener Achse. Tipp: Bei der Leihwagenfirma unbedingt das ganze Versicherungspaket inklusive Unterbodenschutz buchen. Dann ist man auf der sicheren Seite.

Im Inneren des Ramon Kraters sind die Straßen eher Schotterpisten. Für fünf Kilometer Weg haben wir rund 45 Minuten gebraucht. Aber es lohnt sich! Hier haben wir an einem Campingplatz gehalten (Foto: B. Glumm)

Im Inneren des Ramon Kraters sind die Straßen eher Schotterpisten. Für fünf Kilometer Weg haben wir rund 45 Minuten gebraucht. Aber es lohnt sich! Hier haben wir an einem Campingplatz gehalten (Foto: B. Glumm)

Unser erster Halt war an einem Campingplatz. Dort steht ein überdimensionales Beduinenzelt für überwiegend jugendliche Besucher. Ein kleiner Imbiss weiss Wüstenbesucher mit kühlen Getränken und Eis zu überzeugen. Uns zog es weiter in den Krater hinein bis zu einem abgelegenen Parkplatz. Von dort ging es nur noch zu Fuß weiter, weshalb ich meine Schlappen noch schnell gegen die guten Blundstones eintauschte. So läuft es sich immer besser. Stundenlang folgten wir gekennzeichneten Pfaden kreuz und quer durch die Wüste. Ein unglaubliches Erlebnis! Verlaufen ist glücklicherweise schwierig. Die Wanderwege sind kaum zu übersehen. Hin und wieder flog eine Transportmaschine der israelischen Luftwaffe im Tiefflug über unsere Köpfe hinweg. Die schroffe und karge Landschaft ist wirklich faszinierend anmutig. Eine raue Schönheit, die auf mich eine unglaubliche Faszination ausübt. Zurück am Auto fuhren wir zum nächsten Parkplatz, der unmittelbar an einem ausgetrockneten Flussbett gelegen ist. Wasser gibt es hier nur zur Regenzeit. Aber dann richtig! Dort drehten wir unsere nächste Runde. Mitten im Nirgendwo tauchte auf einmal ein braungebrannter Wandersmann auf, mit dem ich ins Gespräch kam. Wir hielten uns gegenseitig für Israelis und er staunte nicht schlecht, als ich mich als Deutscher outete. Und ich staunte mindestens genauso, als er mir London als seine Heimat verriet. Völkerverständigung 2.0.

Nicht minder spektakulär wurde der nächste Tag. Zunächst besuchten wir das Kibbutz Sede Boker, das nicht weit von Mitzpe Ramon entfernt ist. Israels Staatsgründer David Ben Gurion lebte in diesem Kibbutz. Sein Haus wurde unlängst zu einem Museum ausgebaut und darf besucht werden. Die Israelis sind sehr geschichtsbewusst. Auch wenn manches touristisch etwas aufgebläht wirkt. Aber so ein bisschen Pathos ist vollkommen in Ordnung. Glücklicherweise haben wir frühzeitig ein Sammelticket für alle Nationalparks gekauft, so dass wir nicht nur ein paar Schekel gespart, sondern auch immer ein Ticket parat hatten. Das half uns in Sede Boker zunächst nichts. Denn um in David Ben Gurions Wohnhaus zu gelangen, muss man nochmal extra was berappen. Das alte Häuschen des Staatsgründers und Pioniers haben die Israelis konserviert. Es ist noch alles so da, wie vor gut 40 Jahren, als David Ben Gurion verstarb. So ist es zumindest arrangiert. Allerdings heute mit einer gut funktionierenden Klimaanlage. Ein wenig abseits davon ist das Grab des israelischen Staatsmannes. Er und seine Frau Paula sind in einer beeindruckenden Grabanlage beerdigt. Dort wuselt das Leben. Zahlreiche Tiere der Wüste halten sich in der grünen Anlage auf. Ben Gurion würde das ganz sicher sehr gefallen. Die Aussicht von dort oben auf den Nationalpark En-Avdat ist spektakulär.

Bei über 40 Grad kann es schon schwerfallen, nicht einfach in das glasklare Wasser im Nationalpark En-Avdat zu springen. Aber: Baden streng verboten! Im Teich tummeln sich Fische und sogar Krebse (Foto: B. Glumm)

Bei über 40 Grad kann es schon schwerfallen, nicht einfach in das glasklare Wasser im Nationalpark En-Avdat zu springen. Aber: Baden streng verboten! Im Teich tummeln sich Fische und sogar Krebse (Foto: B. Glumm)

Jetzt konnten wir wieder uns Kombi-Ticket zücken, denn für Nationalparks ist das Teil stets gültig. Also nichts wie rein nach En-Avdat. Von einem Parkplatz ging es wieder hinein in eine Art Canyon. In der Mitte fließt ein kleiner Bach, der in einem Teich mündet. Dieser wird von einem Wasserfall gespeist. Das alles umringt von meterhohen Gesteinsformationen. Umwerfend! Viele Treppen weiter oben hangelt man sich entlang des Klippenrandes zu einem Plateau und darf auch hier die Aussicht genießen. Vorausgesetzt man ist einigermaßen schwindelfrei. En-Avdat hat mich sehr beeindruckt und an eine Filmkulisse erinnert. Wirklich mehr als besuchenswert. Als wir uns weiter südlich die alte Nabatäerstadt im Awdat-Nationalpark anschauten, begann das Wetter ein wenig umzuschlagen. Entfernt konnte man sehen, wie in der Wüste ordentlich was runterkam. Und dieser kleine Regenschauer wurde abends zu einem ausgewachsenen Wüstensturm, den wir in Mitzpe Ramon während unseres Abendessens im Gewerbegebiet miterleben dürften.

Fortsetzung folgt

Text und Fotos von Bastian Glumm – Alle Rechte vorbehalten

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